Stadt will neues Sanierungsgebiet vorbereiten
Planung umfasst Bahnareal als Ergänzung zur Altstadt
Gerade erst hat die Stadt Wertheim das Sanierungsgebiet „Kernstadt“ sehr erfolgreich abgeschlossen, jetzt will sie ein neues an den Start bringen. Es basiert auf dem – für diesen Zweck erweiterten – Rahmenplan „Begegnung und Leben am Wasser“. Der Ausschuss für Bauwesen und Umwelt hat dem Gemeinderat einstimmig die Einleitung der vorbereitenden Untersuchung empfohlen.
Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez wies einleitend darauf hin, dass das Projekt „Begegnung und Leben am Wasser“ schon seit längerem auf der Tagesordnung steht, man aber wegen der Rettung des Krankenhauses vorübergehend die „Pause-Taste“ gedrückt habe. In der Zwischenzeit habe man mit dem Wirtschaftsministerium und dem Regierungspräsidium weitere Gespräche geführt und dabei wichtige Hinweise für ein künftiges Sanierungsgebiet „Innenstadt westlich von Tauber und Main“ erhalten.
So umfasst die Planung neben den Uferbereichen von Tauber und Main nun auch den Bereich zwischen Bahnhofs-, Weingärtner- und Bismarckstraße, erläuterte Fachbereichsleiter Armin Dattler. Das Gelände rund um den Bahnhof stelle einen zentralen Bereich der Innenstadt dar. Er weise erhebliche städtebauliche Mängel auf, zeichne sich aber gleichzeitig durch bedeutende Potenziale für die weitere Entwicklung der Innenstadt aus. Bisher war das Gebiet im Rahmenplan „Begegnung und Leben am Wasser“ nicht vollständig enthalten. Mit einer entsprechenden Veränderung der Abgrenzung könnten künftig mehr private Eigentümer an der Städtebauförderung teilhaben.
Architektin und Stadtplanerin Sonja Moers vom Frankfurter Büro „Raumwerk“ ging ausführlich auf städtebauliche Missstände und funktionale Schwächen ein, die im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen näher analysiert werden sollen. So bescheinigte sie beispielsweise dem Bahnhofsumfeld eine „fehlende Attraktivität als Ankommensort“. Allgemein bemängelte sie einen hohen Flächenverbrauch durch den ruhenden Verkehr sowie einen geringen Anteil an Wohnnutzung im Untersuchungsgebiet.
Als vorrangiges Ziel der Sanierungsmaßnahmen nannte Moers die Umwandlung in „ein attraktives, urbanes und produktives Quartier als funktional wichtige Ergänzung zur Altstadt“. Vorgeschlagen werden etwa der Ausbau und die Attraktivitätssteigerung des Wegenetzes, insbesondere zum Mainufer und zur Altstadt, sowie der Um- und Ausbau des Bahnhofs als „identitätsstiftender Ankunftsort“. Für die notwendige Nachverdichtung könne sie sich unter anderem die Aufstockung bestehender Gebäude vorstellen.
Im Bauausschuss stieß das Vorhaben, ein neues Sanierungsgebiet ausweisen zu wollen, auf breite Zustimmung. Einige Mitglieder des Gremiums stiegen bereits in eine detaillierte Diskussion ein. OB Herrera Torrez betonte jedoch, dass „wir uns noch in einem sehr frühen Stadium befinden“. Fachbereichsleiter Dattler nannte einen Zeithorizont von eineinhalb bis zwei Jahren für „die Schritte, die noch notwendig sind und gegangen werden müssen“. Gleichzeitig machte er deutlich, dass ohne vorbereitende Untersuchungen keine Fördermittel beantragt werden können.
