Stadt baut vor, aber Bürger müssen mitziehen

Informationen zum Bevölkerungsschutz im Gemeinderat

Rollwagen mit Ausrüstung vor Feuerwehrfahrzeugen
Auf solchen Rollcontainern sind die wichtigsten Geräte für den Notfall kompakt zusammengestellt. Foto. Stadt Wertheim

Die Stadt schafft zwar die Grundlagen, doch für einen wirksamen Bevölkerungsschutz müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv mitwirken. „Vorbereitung ist das halbe Leben“, hieß es, als sich der Gemeinderat am Montag mit der Bevölkerungssicherheit im Katastrophenfall befasste.

Schon seit Jahren, insbesondere seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, sei die allgemeine Sicherheitslage zunehmend und spürbar angespannt, machte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez eingangs deutlich. Fachbereichsleiter Volker Mohr wies darauf hin, dass das Land Baden-Württemberg Ende des vergangenen Jahres mit einem neuen Landeskatastrophenschutzgesetz auf diese Entwicklung reagiert habe. Darin ist festgehalten, dass das Land im Katastrophenfall oder bei einer außergewöhnlichen Einsatzlage sämtliche Kosten der Hilfsorganisationen übernimmt.

Die Freiwillige Feuerwehr sei eine tragende Säule des Krisenmanagements, stellte Torsten Schmidt, Abteilungsleiter und hauptamtlicher Feuerwehrkommandant, in der Gemeinderatssitzung klar. Im Katastrophenfall werde ihre Leistungsfähigkeit – selbst unter Einbeziehung weiterer regionaler und überregionaler Blaulichtorganisationen – nicht ausreichen, um den Bevölkerungsschutz vollständig gewährleisten zu können. Deshalb müsse die Selbshilfefähigkeit der Bevölkerung mit geeigneten Maßnahmen und einer fundierten Krisenplanung gestärkt werden.

Skizze der Wertheimer Gemarkung mit Markierungen

Infolge der veränderten Sicherheitslage durch den Ukrainekrieg seien bereits verschiedene Vorsorgemaßnahmen umgesetzt worden, so Schmidt. Dazu gehören die Ausweisung von Notfalltreffpunkten und sogenannten Leuchttürmen. Als Notfalltreffpunkte dienen die Mandelberghalle in Dertingen, die Sporthalle SH1 in Bestenheid, die Wildbachhalle in Nassig sowie die Tiefgarage „Links der Tauber“ in Wertheim. Diese Einrichtungen sollen im Bedarfsfall als Anlaufstelle für Information, Wärme und medizinische Erstversorgung dienen. Als Leuchttürme sind die Feuerwehrhäuser in den Ortschaften definiert; sie stehen vorrangig für die Notfallkommunikation zur Verfügung.

Keine Rolle mehr bei der Alarmierung spielen die noch vorhandenen Sirenen. Sie seien technisch überholt, nicht mehr funktionsfähig und würden mittelfristig abgebaut. An ihre Stelle tritt die Alarmierung per Smartphone. „Damit kann man schnell und effektiv innerhalb kürzester Zeit einen hohen Verbreitungsgrad erreichen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Bereits beschafft hat die Stadt ein mobiles Notstromaggregat, mit dem die externe Stromversorgung sichergestellt werden kann, sowie Satellitentelefone, um die Kommunikation innerhalb des Führungsstabes zu gewährleisten. Mit einer örtlichen Tankstelle wird ein Vertrag geschlossen, um die Kraftstoffversorgung der Einsatzkräfte und des Bauhofs sicherzustellen. Zu den Maßnahmen der vergangenen Jahre gehören außerdem Gebäudeanpassungen für Notstromeinspeisung an wichtigen Einrichtungen sowie das Vorhalten von Feldbetten. Aktuell umgesetzt ist zudem eine Informationsplattform zum Thema Bevölkerungsschutz auf der Homepage der Stadt Wertheim.

Die für den Zivil- und Bevölkerungsschutz geschaffene Basis gilt es weiter auszubauen, verdeutlichte Torsten Schmidt. Zu den Ausrüstungsgegenständen, die zur Beschaffung anstehen, zählen ein weiteres Notstromaggregat sowie drei Rollcontainer für die Ausstattung der Notfalltreffpunkte. Außerdem soll eine angemessene Basis an Notfallverpflegung und Wasser aufgebaut werden.

„Am Ende“, so OB Herrera Torrez, „landen wir auch bei diesem Thema ganz stark bei der Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Man muss sich unbedingt selbst informieren.“