Schulterschluss für die Hausärzteversorgung
Stadt, Ärzteschaft und Krankenhaus arbeiten zusammen
Was tut sich aktuell im Bürgerspital und am Mediclin Campus Wertheim? Wie steht es um die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in der Stadt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des mittlerweile sechsten Netzwerktreffens der am Gesundheitsstandort Wertheim Beteiligten, das im Arkadensaal des Rathauses stattfand. Auf Einladung der Stadt nahmen daran wieder Vertreter der Ärzteschaft, des Krankenhauses und des Gemeinderats teil.
Es sei und bleibe „unser gemeinsames Ziel, eine mindestens gute, im Idealfall hervorragende medizinische Qualität für die Menschen in Wertheim und darüber hinaus zu gewährleisten“, bekräftigte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez in seiner Begrüßung. Er verwies dabei auch auf die Beratungen zum Thema hausärztliche Versorgung im Gemeinderat vor wenigen Tagen. Herrera Torrez freute sich über die einhellige Zustimmung des Gremiums zu dem von der Verwaltung vorgeschlagenen weiteren Vorgehen.
Jürgen Strahlheim, Wirtschaftsförderer der Stadt, ging auf die Handlungsempfehlungen der im Gemeinderat vorgestellten Standortanalyse näher ein. Hauptproblem seien der altersbedingte berufliche Rückzug in der Ärzteschaft und damit verbunden eine zunehmende Arbeitsbelastung für die verbleibenden Hausarztpraxen. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung sowie veränderte Erwartungen junger Ärztinnen und Ärzte. Die Standortanalyse stellt deshalb fest, so fasste Strahlheim zusammen, dass ohne strukturelle Gegenmaßnahmen in den kommenden drei bis sieben Jahren auch in Wertheim mit einer deutlichen Verschlechterung der Versorgungssituation bis hin zu einer strukturellen Unterversorgung zu rechnen ist.
Dass die Stadt vorausschauend handelt, belegt die aktuelle Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung (Stand Juli 2026): Mit einem Versorgungsgrad von 97,3 Prozent liegt aktuell keine akute Unterversorgung vor, zudem ist der Bereich Wertheim für Neuzulassungen offen. Wie wichtig unbürokratisches Handeln ist, zeigt die Neueröffnung der „Praxis DocKötter“ in der Hospitalstraße im August. Die Verwaltung hat diesen Ansiedlungsprozess eng begleitet. Damit wurde nicht nur die hausärztliche Versorgung verstärkt, sondern mit arbeitsmedizinischen Angeboten auch einen Mehrwert für den Wirtschaftsstandort geschaffen.
Strahlheim stellte deutlich heraus, dass die Stadt sich nicht als Betreiberin medizinischer Einrichtungen sieht, „sondern als koordinierende und strukturfördernde Akteurin“. In dieser Funktion treibt sie die Einrichtung eines Planungs- und Koordinationskreises „Hausärztliche Versorgung Wertheim“ gemeinsam mit der Ärzteschaft voran. Dieser soll gefährdete Praxen konkret begleiten, Planungen für zukunftsorientierte Großpraxen und neue Versorgungsstrukturen unterstützen sowie bei Bedarf Umzüge und Zusammenschlüsse begleiten. Raum für diese Entwicklungen bietet sich vor allem im neu entstehenden „Gesundheitszentrum Reinhardshof“.
Die Stadt beteiligt sich auch aktiv am Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin des Main-Tauber-Kreises, so der Wirtschaftsförderer. Erfreulicherweise habe sich die Zahl der zur Weiterbildung befähigten und befugten Medizinerinnen und Mediziner in Wertheim in jüngster Zeit erhöht. In Planung ist zudem eine kommunale Nachwuchsoffensive für medizinische Fachangestellte (MFA).
Bei der Hausärzteversorgung handele es sich zwar um keine originär städtische Aufgabe handle, laut Strahlheim aber um eine „langfristige, kontinuierliche und neue kommunale Aufgabenstellung, die große Bedeutung für die Qualität des Wohn- und Wirtschaftsstandort hat“. Sie ist in der Verwaltung im Referat „Wirtschaftsförderung, Standortmarketing“ angesiedelt. Dem Gemeinderat sei das Thema sehr wichtig, er habe deshalb der Bereitstellung von personellen und finanziellen Ressourcen zugestimmt.
Im Rahmen des Netzwerktreffens gaben Daniela Schweitzer, Direktorin für Pflege, medizinische Organisation und Qualitätsmanagement am Bürgerspital, sowie Dr. Barbara John, Chefärztin für Innere Medizin, ein „Update“ zum Betrieb des Bürgerspitals. Nach etwa 20 Monaten habe man bereits über die Hälfte der bis Ende 2027 gesetzten Ziele erreicht, bilanzierte Schweitzer. Dazu zählte sie den 24/7-Betrieb der Zentralen Notaufnahme, die Einrichtung einer Aufnahme- beziehungsweise Kurzliegerstation sowie die Zertifizierung des Adipositaszentrums.
Seit dem Tag der offenen Tür im September 2025 ist die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 93 auf jetzt 208 Personen gestiegen. Zudem investiert das Bürgerspital weiter in die medizinische Qualität. Chefärztin Dr. John gab einen Überblick über wichtige Investitionen. Auf ihrer Liste standen unter anderem eine hochmoderne 3D-Laparoskopie, eine High-End-Endosonografie sowie Anschaffungen für die Labormedizin, neue Betten für Teilbereiche des Bürgerspitals und vom Förderverein finanzierte Spot-Monitore für die Stationen.
Weiter voran geht es auch am Mediclin Campus, der Fachklinik für neurologische Rehabilitation. Wie schon bei den Vertreterinnen des Bürgerspitals war auch bei Klinikmanager Norbert Jäger und Therapieleiterin Barbara Zündel spürbar, dass die Aufbruchstimmung des Krankenhausneustarts nahezu ungebrochen ist. Die beiden berichteten über die Ausweitung der Bettenkapazitäten und über die umfangreiche Erweiterung des Therapiebereichs. Zu dem Bündel von Maßnahmen, das dazu umgesetzt wurde, gehören der Umbau des ehemaligen Labors und Archivs, neue Therapiegeräte sowie die Erweiterung der neuropsychologischen Diagnostik.
