Qualität hat weiterhin oberste Priorität

Gemeinderat beschließt Kita-Bedarfsplanung 2026/27

Blick auf den Eingang des Kindergartens Wartberg
Für die Kindertagesstätte Wartberg ist ein Pilotprojekt geplant, das den hohen Anteil von Familien mit Einwanderungsgeschichte berücksichtigt. Archivfoto: Stadt Wertheim

Nach ausführlichen Vorberatungen hat der Gemeinderat die Kindertagesstätten-Bedarfsplanung für 2026/27 mehrheitlich beschlossen. Das wichtigste Ergebnis: Alle Einrichtungen bleiben erhalten, für jedes Kind steht weiterhin ein Betreuungsplatz zur Verfügung. An einigen Standorten verändert sich das Angebot, um Überkapazitäten abzubauen. In der evangelischen Kita Wartberg wird ein Pilotprojekt gestartet, weil hier besonders viele Kinder aus Familien mit Einwanderungserfahrung betreut werden.

Wesentliche Vorarbeiten leistete eine 21-köpfige Arbeitsgruppe, die im Dezember auf Beschluss des Ausschusses für Verwaltung und Finanzen eingesetzt worden war. Dem Gremium gehörten Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, der Ortsvorsteher und Stadtteilbeiräte, der Kita-Leitungen, der Träger sowie Elternvertreter an.

Referatsleiter Uwe Schlör-Kempf stellte die Ergebnisse im Gemeinderat vor. Diese seien in sehr konstruktiven Diskussionen erarbeitet worden, sodass auf eine ursprünglich geplante zweite Sitzung verzichtet werden konnte. Übereinstimmung herrschte in der Arbeitsgruppe ebenso wie im Gemeinderat, dass die Qualität des Angebots auch weiterhin oberste Priorität genießt. Einigkeit bestand ebenfalls darüber, dass die verschiedenen Kitas differenziert betrachtet werden müssen. Auch wenn sinkende Kinderzahlen zu freiwerdenden Personalkapazitäten führen, müsse dies nicht in allen Einrichtungen zu Angebotsreduzierungen führen. Stattdessen sei zu prüfen, ob die Personalressourcen genutzt werden, um erhöhtem Förderbedarf zum Beispiel im Bereich der Integration und Sprachförderung zu entsprechen.

Dies trifft in hohem Maße auf die evangelische Kita am Wartberg zu. Dort haben 98 Prozent der Kinder Einwanderungserfahrung. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Integrationsmaßnahmen. Freiwerdende personelle Ressourcen sollen deshalb in dieser Einrichtung dazu genutzt werden, „ein nachhaltiges Einrichtungskonzept als Pilotprojekt zu entwickeln“, wie es in der Vorlage heißt. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorschlag einstimmig zu. Die Erfahrungen des Pilotprojekts sollen ausgewertet und die Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen geprüft werden.

Ebenfalls einmütig beauftragte das Gremium die Verwaltung, die Wirksamkeit der in der Arbeitsgruppe identifizierten Handlungsfelder „im Benehmen mit den Trägern und Kindergartenleitungen zu überprüfen“ und die Kosten zu ermitteln. Zu den Handlungsfeldern zählen unter anderem die Sicherung des Bestands an Frühförderstellen, der Einsatz von Fachkräften zur alltagsintegrierten Sprachbildung und -förderung sowie die finanzielle Unterstützung der kirchlichen Träger beim Aufbau eines Pools von Vertretungskräften.

Der vierte Teil des Beschlussvorschlags, der ebenfalls einstimmig angenommen wurde, betrifft Verhandlungen mit den kirchlichen Trägern über notwendige Anpassungen der zehn Jahre alten Betriebskostenvereinbarungen.

Für Aufregung im Vorfeld hatte gesorgt, dass nach dem neuen Kita-Bedarfsplan in der evangelischen Kita Hofgarten die Krippengruppe geschlossen werden soll. Oberbürgermeister Markus Herrera-Torrez betonte, dass dies ausschließlich auf den Zustand der baulichen Anlagen zurückzuführen sei. Das bestätigte auch Dekanin Wibke Klomp. Man sei sich einig, dass die Kindertagesstätte Eichel-Hofgarten nicht infrage steht, so der OB. „Für mich ist unstrittig, dass dies eine der nächsten großen Investitionsmaßnahmen sein wird.“ Klar sei aber auch, dass man „nicht alles gleichzeitig machen“ könne.