Notaufnahme künftig im 24-Stunden-Betrieb
Bürgerspital erreicht Meilenstein zum 1. Oktober
Für Wertheim und die Region wird eine lange gehegte Hoffnung Wirklichkeit: Ab Donnerstag, 1. Oktober, erweitert das Bürgerspital Wertheim seine Zentrale Notaufnahme auf einen durchgehenden 24/7-Betrieb. Nur gut 20 Monate nach der Wiedereröffnung am 7. Januar 2025 ist damit ein zentrales Ziel des Wiederaufbaus erreicht. Darüber informiert das Bürgerspital in einer Pressemitteilung.
„Wir sind in Wertheim angetreten, um Verantwortung zu übernehmen – und um gemeinsam mit den Menschen vor Ort etwas zurückzubringen, das schmerzlich gefehlt hat: die Gewissheit, im Notfall auch nachts ein Krankenhaus erreichen zu können“, sagt Alexander Gläser, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der Westfalenklinik-Gruppe (CGCE). „Der 1. Oktober ist deshalb für uns weit mehr als ein betrieblicher Meilenstein. Er ist ein eingelöstes Versprechen. Wir haben an diesen Standort geglaubt, als seine Zukunft alles andere als selbstverständlich war. Dass wir heute hier stehen, verdanken wir Menschen, die diesen Glauben mit außergewöhnlichem Einsatz in Wirklichkeit verwandelt haben.“
In der Pressemitteilung heißt es weiter:
„Es war ein tiefer Einschnitt, als die frühere Rotkreuzklinik im Juni 2024 geschlossen wurde. Es folgte ein gemeinsamer Kraftakt: Die Stadt Wertheim kaufte das Klinikgebäude zurück, das Land Baden-Württemberg genehmigte den Krankenhausbetrieb, und der Gemeinderat schuf mit der Ausgleichsvereinbarung eine Grundlage für die Finanzierung der Notfallversorgung. Am 7. Januar 2025 öffnete das Haus als Bürgerspital Wertheim wieder seine Türen.
Die Westfalenklinik-Gruppe (CGCE) übernahm dabei besondere Verantwortung: Sie betreibt das Bürgerspital als Pro-bono-Projekt ohne Gewinnerzielungsabsicht. Im Mittelpunkt steht das Ziel, der Region nicht lediglich ein Krankenhausgebäude zurückzugeben, sondern eine leistungsfähige und umfassende Versorgungsplattform für Notfälle rund um die Uhr wiederherzustellen.
Patientenzahlen steigen
Bereits das erste Betriebsjahr verdeutlicht die Bedeutung des Bürgerspitals: 2025 wurden insgesamt 6.828 Patientinnen und Patienten behandelt und 4.487 Notfälle versorgt. Die Jahresbilanz weist zudem 1.817 stationäre Aufnahmen aus. Dabei reicht die Bedeutung des Hauses über die Landesgrenze hinaus: Rund 37 Prozent der Patientinnen und Patienten kamen aus bayerischen Gemeinden.
Für 2026 sieht die veröffentlichte Klinikplanung rund 11.600 Patientinnen und Patienten im gesamten Krankenhaus sowie durchschnittlich etwa 630 Notfälle pro Monat vor. Diese Planungszahlen machen deutlich, auf welche Größenordnung der Versorgung sich das Bürgerspital ausrichtet. Hinter jeder einzelnen Behandlung steht dabei ein Mensch, der Hilfe, Orientierung und medizinische Betreuung benötigt.
Breites medizinisches Profil
Die Rund-um-die-Uhr-Öffnung ist eingebettet in den konsequenten Ausbau der Grund- und Regelversorgung. Das Bürgerspital verbindet Innere Medizin, Chirurgie sowie Anästhesie und Intensivmedizin mit gezielt entwickelten medizinischen Schwerpunkten. Dazu gehören unter anderem die Gastroenterologie und Endoskopie, die Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie sowie die Adipositas- und plastisch-rekonstruktive Chirurgie. Während die Notfallversorgung finanziell von der öffentlichen Hand unterstützt wird, trägt die Westfalenklinik-Gruppe das wirtschaftliche Risiko der Grund- und Regelversorgung und ihrer angebundenen Fachkliniken zu 100 Prozent alleine.
Mit der Weight Doctors Nationalklinik, dem Lipödemzentrum und weiteren spezialisierten Angeboten gewinnt der Standort zugleich ein eigenständiges Profil weit über die unmittelbare Notfallversorgung hinaus. Ein sichtbares Beispiel für die geleistete Aufbauarbeit ist das im August 2026 verliehene DHG-Siegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ für die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie. So entstehen neue Behandlungsmöglichkeiten, die die medizinische Bedeutung des Krankenhauses stärken und zusätzliche Perspektiven für seine Entwicklung eröffnen.
Leistung des gesamten Teams
Der Schritt zum 24/7-Betrieb ist vor allem eine Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Inzwischen tragen 208 Beschäftigte, darunter 53 Ärztinnen und Ärzte, die Versorgung am Standort. Ob in der Pflege, im ärztlichen Dienst, in der Notaufnahme, im OP, in Diagnostik und Therapie oder in Verwaltung, Technik, Reinigung, Küche und Logistik: Der Wiederaufbau hat allen Beteiligten viel abverlangt. Neue Teams mussten zusammenfinden, Strukturen aufgebaut und Abläufe weiterentwickelt werden – während Tag für Tag bereits Menschen versorgt werden. „Was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen 20 Monaten geleistet haben, verdient höchsten Respekt“, betont Dr. med. Gerhard Schüder, Ärztlicher Direktor des Bürgerspitals Wertheim.
Unterstützung beim Wiederaufbau
Das Bürgerspital und die Westfalenklinik-Gruppe danken allen, die den Wiederaufbau eng, konstruktiv und partnerschaftlich begleitet haben. Dieser Dank gilt der Stadt Wertheim und dem Gemeinderat, dem Land Baden-Württemberg, den unterstützenden Kommunen, dem Förderverein Bürgerspital Wertheim sowie den zahlreichen Unternehmen, Spenderinnen und Spendern. Ihr Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, der Notfallversorgung wieder eine Grundlage zu geben.
Ebenso gilt der Dank den Rettungsdiensten, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, den kooperierenden Krankenhäusern und medizinischen Partnern – und nicht zuletzt den Bürgerinnen und Bürgern, die dem neuen Bürgerspital Vertrauen geschenkt haben. Der erreichte Meilenstein gehört allen, die an diese gemeinsame Zukunft geglaubt und an ihr mitgearbeitet haben.
Die Westfalenklinik-Gruppe ist zuversichtlich, dass dem Start der 24/7-Notaufnahme weitere wichtige Entwicklungen zur medizinischen und wirtschaftlichen Stärkung des Bürgerspitals Wertheim folgen werden. Mit dem 1. Oktober wird deshalb nicht das Ende des Aufbaus erreicht – wohl aber eines seiner wichtigsten Ziele.“
