Ampelanlagen in Bestenheid werden nachjustiert
Gesprächsrunde mit Fachleuten brachte wichtige Erkenntnisse
Für 3,7 Millionen Euro hat das Land letztes Jahr die L 2310 im Bereich Bestenheid erneuert. Im September war die Erleichterung über den Abschluss der Großbaustelle groß, aber seitdem „fremdelten“ viele Verkehrsteilnehmer mit den neuen und zusätzlichen Ampelanlagen. Jetzt fand im Bürger- und Vereinstreff Bestenheid ein klärendes Informationsgesprächs statt, in dessen Verlauf auch einige baldige Verbesserungen in Aussicht gestellt wurden.
Die Gesprächsrunde hatte die Verkehrsbehörde der Stadt Wertheim initiiert, um mit den Fachleuten des Amts für Straßen- und Radwegebau (ehemals Straßenbauamt) des Landkreises über die Funktionsweise und den Betrieb der Ampelanlagen zu informieren. Dazu eingeladen waren der Stadtteilbeirat Bestenheid, die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, der Ortsvorsteher von Grünenwört sowie die zuständigen Referate der Stadtverwaltung.
Moderiert wurde das Gespräch von Fachbereichsleiter Volker Mohr. Er skizzierte zum Auftakt kurz das Bündel von Maßnahmen, das bei Sanierung der Ortsdurchfahrt umgesetzt wurde. „Das Großprojekt hat uns allen viel abverlangt. Aber heute sind für dankbar für das, was hier geschaffen wurde.“ Den Zugewinn an Verkehrssicherheit, vor allem für Fußgänger und Radfahrer, hob er besonders hervor. Und er erinnerte an ehemals unfallträchtige Kreuzungen, die nun dank verbesserter oder zusätzlicher Ampelanlagen entschärft wurden.
Dirk Borsdorf, dem stellvertretenden Leiter des Amts für Straßen- und Radwegebau, gelang es in seinen Ausführungen, ein besseres Verständnis für die komplexe Verkehrslenkung in der Ortsdurchfahrt zu erreichen. Anhang der Pläne erläuterte er alle Ampelanlagen entlang der L 2310, von der Kreuzung Hafenstraße bis zur Einmündung bei den „Bestenheider Stuben“. An jeder „Station“ hatten die Teilnehmer der Gesprächsrunde Gelegenheit, Fragen zu stellen oder Kritikpunkte vorzubringen.
„Wir können nicht alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen glücklich machen,“ stellte Borsdorf klar. Man sei an die Vorgaben des Verkehrsministeriums, an die Straßenverkehrsordnung und an die Richtlinien für Lichtsignalanlagen gebunden. Aber den Spielraum, den man bei der Programmierung der Ampeln habe, wolle man nutzen. Jede neue Anlage muss sich einspielen, erläuterte Borsdorf, „es wird immer nachjustiert.“ Auch in Bestenheid habe man schon Veränderungen vorgenommen. Das bestätigten Teilnehmer der Gesprächsrunde: „Die Wartezeiten beim Einbiegen auf die L 2310 zum Beispiel am Knotenpunkt Hafenstraße haben sich schon merklich verbessert.“
Die gesamte Planung des Landes für den sanierten Streckenabschnitt basiert auf den Belangen der L 2310 und des Radverkehrs, verdeutlichte Dirk Borsdorf. Die Grundschaltung der Ampelanlagen ist deshalb so ausgerichtet, dass sie dem Verkehr auf der L 2310 grün zeigt, ebenso dem parallelen Radverkehr. Dieser Priorität muss sich der Verkehr aus den Nebenstraßen nachordnen.
Wenn aber vor allem im Winterhalbjahr kaum Radfahrer die L 2310 entlangfahren, sorgt das für lange und unnötige Rot-Phasen für Autofahrer, die auf die L 2310 einbiegen wollen. Das wurde vor allem an der Kreuzung Hafenstraße als Problem erkannt. „Das werden wir ändern“, kündigte Borsdorf an. In den Radweg werden Induktionsschleifen eingefräst, so dass die Radfahrerampel nur noch bei Bedarf auf grün umschaltet. Unterstützt wird diese Bedarfsschaltung durch eine Kamera zur Fernüberwachung. Auch an der Kreuzung Schwarzwaldstraße soll die Priorisierung des Radverkehrs geändert werden. Borsdorf stellte die Umsetzung für das erste Quartal in Aussicht.
Als Anregung aus der Gesprächsrunde nahm er die Bitte mit, die Programmierung der Ampeln in der Ortsdurchfahrt so zu justieren, dass sie in verkehrsarmen Zeiten die Nebenrichtungen besser und schneller beim Einbiegen auf die L 2310 bedient. Bislang ist das in den Nachstunden der Fall, könnte aber - außerhalb des Berufsverkehrszeiten – zusätzlich im Laufe des Vor- und des Nachmittags möglich sein, so der Vorschlag aus dem Stadtteilbeirat Bestenheid. „Wir werden das prüfen“, sagte Borsdorf zu.
Als weiterer Punkt kamen die Grünphasen für Fußgänger beim Überqueren der Straße zur Sprache. Sie werden als zu kurz für ältere Menschen empfunden, vor allem, wenn sie mit Rollator unterwegs sind. Dazu stellte Dirk Borsdorf klar, dass dem Fußgänger, wenn er am Ende der Grünphase bis zur Mitte der Fahrbahn gekommen ist, immer noch genug Zeit bleibt zum Erreichen der anderen Straßenseite. Denn bis die Ampel für den Autofahrer auf grün schaltet, bleibt eine ausreichende Schutzzeit.
Die Wartezeit für Fußgänger an der Ampelanlage beträgt maximal 90 Sekunden. Die Bedarfsampel auf Höhe Waldfriedhof reagiert auf die Anforderung mit dem Taster schneller, weil sie nicht den fließenden und einbiegenden Verkehr mit regeln muss, sondern lediglich den querenden Fußgänger. Eine Verkürzung der Wartezeit bei den anderen Fußgängerquerungen ist nach Aussage der Fachleute nicht möglich, denn dies führe zu Verzögerungen und Stockungen an anderer Stelle.
Offenbar gewöhnungsbedürftig sind die Wartezonen für Radfahrer vor der Ampelanlage an der Kreuzung Haslocher Weg. Solche sogenannten „Fahrradboxen“ kennt man aus größeren Städten, zum Beispiel Würzburg. In Bestenheid wurden sie nach den Vorgaben des Verkehrsministeriums eingerichtet.
Am Ende der Gesprächsrunde stand ein großer Erkenntnisgewinn über den Zusammenhang von Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit sowie über die Komplexität von Ampelanlagen. Stadtteilbeiratsvorsitzender Vitalij Fuhrmann brachte es auf den Punkt: „Jetzt sind wir weit, weit schlauer.“ Neben dem besseren Verständnis brachte der Austausch zudem die Zuversicht, dass die Verkehrslenkung in Bestenheid durch einige Nachjustierungen noch verbessert werden kann.
Aber eine noch so ausgetüftelte Ampelprogrammierung hilft nichts, wenn Verkehrsteilnehmer durch ihr Fehlverhalten zum Risikofaktor werden. So wurde in der Gesprächsrunde von Autofahrern berichtet, die bei „dunkelrot“ über die Ampel fahren, und von Schülern, die „wild über die Straße laufen“, obwohl die sichere Fußgängerfurt in Sichtweite ist. Schulen könnten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrserziehung leisten, so lautete die abschließende Anregung.

