Zukunft der Mainfähre Mondfeld ist gesichert

Gemeinderat stimmt neuem Betriebskonzept zu

Ein interkommunales und länderübergreifendes Musterbeispiel: Dank des neuen Betriebskonzepts wird die Mainfähre weiterhin ablegen. Foto: Stadt Wertheim

Auch in der Zukunft wird die Mainfähre zwischen Mondfeld und Stadtprozelten fahren und den Verkehrsteilnehmern als „schwimmende Brücke“ große Umwege ersparen. Der Wertheimer Gemeinderat hat am Montag der Übernahme des Fährbetriebs Bruno Hörnig durch den Zweckverband Mainhafen Wertheim ab dem 1. November und der damit verbundenen finanziellen Beteiligung durch die Stadt einstimmig zugestimmt. Der Stadtrat von Stadtprozelten und der Kreistag des Landkreises Miltenberg haben das neue Betriebskonzept für die Fähre bereits gebilligt. Im Kreistag des Main-Tauber-Kreises folgte die ebenfalls positive Entscheidung in der Sitzung am Mittwoch.

„Die Familie Hörnig betreibt die Mainfähre seit 1887 in fünfter Generation mit Herzblut und Engagement“, erläuterte Ulrike Müller, die das neue Betriebskonzept gemeinsam mit Jürgen Strahlheim, beide Wirtschaftsförderung, und Helmut Wießner, Zweckverband Mainhafen Wertheim, erarbeitet hat. „Die Fähre ist sehr wichtig für Wertheim und die Region, aber auch für die Menschen“, fügte sie hinzu: Sie erspare Umwege von bis zu 23 Kilometern. Für pendelnde Arbeitnehmer beider Landkreise gehöre die Nutzung der Fähre zum Alltag. Auch Rettungsfahrzeuge profitierten von der verkürzten Wegstrecke. Dabei entlastet die Fähre Brücken und vermindert die Lärm- und Schadstoffbelastung durch den Pkw-Verkehr. Den Mondfeldern, vor allem den älteren Bürgern, ermögliche die Fähre, die Einkaufsmöglichkeiten und die Apotheke in Stadtprozelten zu nutzen, so Ulrike Müller.

Doch die Fähre ist nicht nur eine wichtige ökologische Verkehrsverbindung, sondern auch touristisch von Bedeutung: Fähren sind seltener geworden. Mit der Mainfähre haben Radfahrer und Fußgänger die Chance, das traditionelle Übersetzen über einen Fluss zu erleben. Allein im Jahr 2019 nutzten ungefähr 45.500 Fahrzeuge und zusätzlich circa 16.000 Personen die Fähre.

Ohne die Mainfähre müssten Verkehrsteilnehmer einen Umweg von 23 Kilometer fahren. Foto: Stadt Wertheim

Doch ständig steigende Kosten für Wartung, Treibstoff, Versicherungen, Sicherheitsprüfungen und Personal belasten das kleine Unternehmen zunehmend und machen es immer schwieriger, davon die Familie zu ernähren. Der Eintritt des derzeitigen Fährbetreibers Bruno Hörnig in den Ruhestand und notwendige Investitionen in Höhe von rund 55.000 Euro machen nun eine Entscheidung über die Zukunft erforderlich.

Das von der Stadt Wertheim erarbeitete Konzept sieht die Übernahme durch den Zweckverband Mainhafen Wertheim vor, an dem die Stadt und der Main-Tauber-Kreis beteiligt sind. Vereinbarungen mit dem Landkreis Miltenberg und der Stadt Stadtprozelten stellen sicher, dass auch diese sich am Betrieb der Fähre beteiligen. Es wird mit jährlichen Verlusten von rund 70.000 Euro bis 80.000 Euro gerechnet. Die Stadt Wertheim übernimmt davon 25 Prozent, maximal aber 20.000 Euro. Die Landkreise Main-Tauber und Miltenberg beteiligen sich mit jeweils 32,5 Prozent, höchstens aber 26.000 Euro und Stadtprozelten mit zehn Prozent, maximal 8.000 Euro.

Zumindest für die Partner auf bayerischer Seite gibt es auch die Möglichkeit einer Zuwendung durch den Freistaat. Das Land Baden-Württemberg sieht eine Förderung nicht vor. Nach der Zustimmung aller beteiligten Landkreise und Kommunen muss noch die Satzung des Zweckverbandes Mainhafen geändert werden. „Dann können wir gemeinsam losfahren in eine gute Zukunft“, freute sich Oberbürgermeister Herrera Torrez.

Im Gemeinderat fand das Vorhaben breite Zustimmung. Das Projekt sei ein Musterbeispiel interkommunaler und länderübergreifender Zusammenarbeit. Der Großteil hatte sich jedoch mehr Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg erhofft. Oberbürgermeister Herrera Torrez hat dazu bereits Landtagsabgeordnete kontaktiert, die Antwort steht noch aus.
 

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