Wirtschaftsstandort ist stabil und zukunftsfähig

Aber Gaskrise bereitet dem Oberbürgermeister Sorgen

OB Herrera Torrez im Gespräch mit Unternehmern, darunter Angelique Renkhoff-Mücke, Firma Warema, und Dr. Christoph Schöler, Unternehmensgruppe Brand. Foto: Stadt Wertheim

Die sich verschärfende Gas- und Energiekrise bereitet Wertheims Oberbürgermeister zunehmend Sorge. Das bekannte Markus Herrera Torrez beim ersten großen Unternehmergespräch in Präsenz nach drei Jahren Corona-Pause. Vor mehr als 70 führenden Vertretern der Wertheimer Industrie, von Banken, Handwerk und Verwaltung blickte der OB zurück auf wichtige Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit und gab eine Vorschau auf bedeutende Themen der Zukunft in der Großen Kreisstadt.

Gastgeber des diesjährigen Unternehmergesprächs war die Unternehmensgruppe Brand in Bestenheid. „Obwohl wir seit rund 73 Jahren in Wertheim unternehmerisch tätig sind, gibt es immer noch Fragen, wer wir sind, was wir machen und wo wir zu Hause sind“, wunderte sich Geschäftsführer Dr. Christoph Schöler, ehe er in seinem kurzen Vortrag etwas „Licht ins Dunkel“ brachte. Brand ist in der Analyse-, Bio- und Labortechnik tätig und hier insbesondere bei chemischen und pharmazeutischen Anwendungen. Man sei „ein typischer Mittelständler“ mit etwas über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit. Und es könnten noch mehr sein, „wenn wir nur die Leute finden würden, die wir gerne hätten“, so Schöler.

Die Corona-Pandemie, die auch der Brand-Geschäftsführer angesprochen hatte, fühle sich zwar „weit weg an, sie ist aber noch nicht vorbei“, sagte Oberbürgermeister Herrera Torrez mit Blick auf steigende Infektionszahlen. Auch während der Pandemie habe die Verwaltung aktive Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung gemacht. Der OB verwies unter anderem darauf, dass es gelungen sei, den Konflikt um das Gewerbegebiet Reinhardshof zu lösen und den Startschuss für die Weiterentwicklung am Almosenberg zu geben. Er erwähnte weiter die Themen Wohnungsbau, die Versorgung mit Glasfaser und Breitband, die Digitalisierung der Verwaltung und die Verbesserungen beim Familienpass, von dem inzwischen rund 800 Kinder profitierten.

Bis 2030 würden Stadt und – im Falle des Beruflichen Schulzentrums in Bestenheid – Landkreis insgesamt rund 100 Millionen Euro in die Bereiche Kinderbetreuung und Schulen investieren, machte der Oberbürgermeister deutlich. Als Stichworte nannte er Bezug der grundlegend sanierten Otfried-Preußler-Schule am Wartberg, Umzug der Gemeinschaftsschule auf den Reinhardshof, Neubau der Grundschule am Knackenberg, Erweiterung und Sanierung von Kindertagesstätten. Den Baubeginn der Dreifach-Turnhalle am Gymnasium erwartet er im Jahr 2023, während der für ein neues Hallenbad noch in den Sternen steht.

Mehrfach benannte der Oberbürgermeister die Unternehmen als „Schlüsselakteure in der zukünftigen Entwicklung“. Man werde sie etwa bei der Erarbeitung der kommunalen Wärmeplanung brauchen. Im nächsten Jahr solle, so kündigte er an, die Debatte darüber geführt werden, ob und vor allem wie Wertheim zur klimaneutralen Stadt werden könne. Erhebliche Sorgen bereite ihm „die ganz akute Frage der Versorgungssicherheit“, bekannte der OB. Die Frage, was im Falle einer Gasnotlage passiere, beantwortete er in Teilen selbst: „Wenn das Gas nicht mehr fließt, haben wir ein echtes Problem.“

Im Anschluss an den Informationsteil blieb beim Unternehmergespräch noch Zeit für angeregte Gespräche. Foto: Stadt Wertheim

Trotzdem ließ sich Herrera Torrez den Optimismus nicht nehmen. „Der Wirtschaftsstandort ist stabil und zukunftsfähig“, sagte er. Und man habe noch Potenziale, wolle weiter Unternehmen ansiedeln, „wenn sie zu uns und hierher passen“. Zu seinen Kernaufgaben als Oberbürgermeister gehöre es, den Menschen zuzuhören und ihnen Wertschätzung für das von ihnen geleistete zu vermitteln. Das gelte für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer. Er werde als Wertheimer Oberbürgermeister auch in Zukunft keine Tarifpolitik machen oder Einfluss auf sie nehmen, so Markus Herrera Torrez abschließend.

Sehr ausführlich beleuchtete Michael Pult von der Firma Arnold Umformtechnik aus Forchtenheim-Ernsbach in einem Impulsvortrag das Thema „Klimaneutralität in Unternehmen“. Ein mögliches „Lokales Bündnis für Ausbildung“ stellte der Leiter des Beruflichen Schulzentrums, Oberstudiendirektor Manfred Breuer vor. Und der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, Bernd Maack, warb für die „Wertheim Card“ als steuerfreies Bonusmodell für die Beschäftigten. Fast schon traditionell am Ende des Unternehmergesprächs lud Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim zu einem virtuellen Rundflug über die Gewerbegebiete der Stadt ein und informierte über aktuelle Entwicklungen dort.

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