Wirtschaft und Umwelt gemeinsam denken

OB sprach vor Unternehmern über Zukunftsthemen

Große Resonanz fand das Unternehmergespräch der Stadt. Veranstaltungsort war dieses Jahr die Kantine der Firma SMT in Bestenheid. Foto: Stadt Wertheim

Es lag schon eine gewisse Spannung in der Luft. Zwar gibt es das traditionelle Unternehmergespräch bereits seit 2004. Doch diesmal trafen bei diesem Format erstmals Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez und viele der führenden Vertreter der Wertheimer Industrie, von Banken und Handwerk aufeinander. Schon früh in seinen einleitenden Worten machte der OB deutlich, dass es auch mit ihm eine faire und fruchtbare Zusammenarbeit geben wird. „Aus den Erfahrungen meiner Beschäftigung bei der Gewerkschaft nehme ich mit, dass es nie gegen sondern nur zusammen mit der Wirtschaft geht.“

Versammelt hatten sich die mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung in der Kantine der SMT Maschinen- und Vertriebs GmbH & Co. KG in Bestenheid. Dort stellte ihnen Geschäftsführer Dr. Christian Ulzhöfer das 1987 von seinem Vater Hans-Günter gegründete Unternehmen und seine Entwicklung vor.
 
Die wieder sehr große Resonanz auf die Einladung des Oberbürgermeisters zur Gesprächsrunde wertete dieser als Zeichen dafür, dass dieser Austausch von beiden Seiten angenommen und gewünscht wird. „Deshalb werden wir es fortführen“ und sogar noch ausweiten mit kleineren Gesprächsrunden jeweils mit den Unternehmen am Almosenberg und in Reinhardshof/Bestenheid.

„Das bevorstehende Haushaltsjahr wird ein sehr anspruchsvolles“, wandte sich Herrera Torrez dann wichtigen Zukunftsthemen zu. Er nannte einige der kommenden Investitionsschwerpunkte, darunter die Schaffung einer neuen sozialen Mitte für die Stadtteile Wartberg und Reinhardshof, den Neubau der Sporthalle am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium oder die Erweiterung des Kindergartens Kembach. Hohe Ausgaben stehen also an, bei derzeit gleichzeitig rückläufigen Einnahmen. „Dennoch haben wir keine Steuererhöhungen geplant, weder 2020 noch in den Folgejahren“, versicherte der Redner.

Oberbürgermeister Herrera Torrez im Gespräch mit Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Warema, und Rainer Kurtz, Geschäftsführer der Kurtz-Ersa-Gruppe. Foto: Stadt Wertheim

Bevölkerungswachstum rief Herrera Torrez zu einer der Grundprämissen und zu einem wichtigen Ziel kommunalpolitischen Handelns aus. „Wachstum nicht als Selbstzweck, sondern zur Aufrechterhaltung unserer Infrastruktur.“ Von großer Bedeutung sei auch eine weiter steigende Wirtschaftskraft. „Umweltschutz und Nachhaltigkeit schließen sich nahtlos an. Wir müssen Wirtschaft und Umwelt gemeinsam denken.“ Bürgerbeteiligung und Bürgernähe, die Schaffung von gutem Wohnraum nicht zuletzt für die von den Unternehmen dringend benötigten Arbeitskräfte oder der Ausbau der Kinderbetreuung waren weitere Themen, die der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang ansprach.
 
Er ging auch auf aktuelle Problemlagen ein und nannte Ansätze zu deren Lösung. Dazu gehören ein geplanter „runder Tisch“, der sich mit der dringend benötigten Erweiterung der Gewerbe- und Industrieflächen am Reinhardshof befassen soll. Man wolle auch versuchen, den Konflikt mit der Schwesternschaft München vom Bayrischen Roten Kreuz wegen des Geländes des alten Krankenhauses außergerichtlich beizulegen. „Wenn wir hier Sicherheit haben, wollen wir das Areal mit Beteiligung der Bürgerschaft zu einem neuen Lebensquartier entwickeln, das ein Gesamtgewinn für die ganze Stadt ist.“

Eine Überraschung hielt der Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim für die anwesenden Wirtschaftsvertreter bereit. Unter der Überschrift „Glasfaser – Wertheim startet durch“ stellte er die Projekte seines Hauses in Sachen Digitalisierung und schnelle Netze für Unternehmen vor. „Weltmarktführer sollen auch weltmarktfähige Netze haben“, begründete er die Initiative, deren Umsetzung ganz wesentlich von der Mitwirkungsbereitschaft der Wirtschaft abhängt. „Wir brauchen mindestens 30 Firmen, die sich daran beteiligen“, machte Beier deutlich.

Aufmerksame Zuhörer fanden beim Unternehmergespräch Beiträge zu den Themen Stadtentwicklung, Wohnungsbau und Glasfaserausbau. Foto: Stadt Wertheim

Beeindruckend ist die dynamische Entwicklung am Wirtschaftsstandort Wertheim in den letzten Monaten. Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim zeigte auf, dass dies nicht nur für die großen, sondern für nahezu alle Gewerbegebiete gilt. „Und auch für die kommenden Monate zeichnen sich weitere größere Entwicklungs- und Ansiedlungsvorhaben ab“, so Strahlheim. Aus einer Fülle laufender und geplanter Projekte nannte der Wirtschaftsförderer etwa die Erweiterung der Produktionsstätte der Firma Vacuubrand zur „Lean Factory“, die verschiedene Neubauten umfasst. Gebaut wurde auch bei der Firma Brand. Sie hat etwa das Logistikzentrum, ein Palettenlager, Büroräume oder die Kantine neu in Betrieb genommen.
 
Auch die Firma Ersa investiert hohe Beträge, etwa für den laufenden Neubau von Produktions- und Büroflächen. Weitere Expansionspläne gibt es für das Gelände, auf dem jetzt noch die Straßenmeisterei beheimatet ist. Von Bestenheid führte Strahlheim seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Reinhardshof, wo nicht nur gerade das Technologie- und Kompetenzzentrum der Firma Deiring GmbH Industrie-Automation entsteht, sondern durch die Firma „Wohnen auf Zeit MAX Wertheim GmbH“ mit dem Boardinghouse auch ein neuartiges Wohnangebot mit zunächst 21 Einheiten.

Angeregte Gespräche im geselligen Teil des Unternehmergesprächs. Foto: Stadt Wertheim

In der Kernstadt wird in naher Zukunft der Neubau der Sparkassenfiliale mit zwei Einzelhandelsnutzungen auf dem Bahngelände in den Blickpunkt rücken. Am „Almosenberg“ steht das Baugenehmigungsverfahren für den seit längerem geplanten Hotelneubau mit 90 Zimmern vor dem Abschluss. Gleich mit mehreren Bauvorhaben engagiert sich die Warema Renkhoff SE am Almosenberg und schafft damit mehr als 550 Arbeitsplätze.
 
Mit dem Wohnungsmarkt und der Wohnungsmarktanalyse für Wertheim beschäftigte sich der Leiter des Baudezernates, Armin Dattler. „Wenn wir ein moderates Bevölkerungswachstum haben wollen, dann müssen wir noch mehr im Geschosswohnungsbau machen“. Das Engagement der Stadt und privater Investoren in diesem Bereich erläuterte der Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft/Wohnbau, Edgar Beuchert. So berichtete er etwa von gut 220 neuen Wohnungen in der Kernstadt, und das „ohne zusätzlichen Flächenverbrauch“.
 
Nicht alles, was man gehört habe, sei neu gewesen, so am Ende ein Fazit, das von Teilnehmern nach gut zwei Stunden gezogen wurde. „Aber es war gut und eindrucksvoll, das einmal so komprimiert und kompetent präsentiert zu bekommen.“ Die positiven Eindrücke wurden anschließend in Gesprächen mit Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez und den Vertretern der Stadtverwaltung beim gemütlichen Beisammensein weiter vertieft.

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