Wertheimer Innenstadt „ist ein Ganzes aus drei Teilen“

GMA bescheinigt eine insgesamt gute Entwicklung

Blick auf die Wertheimer Innenstadt mit dem Bahngelände als Ergänzungsfläche. Foto: Stadt Wertheim / Peter Frischmuth

Gute sechs Jahre alt ist die letzte Fortschreibung des Innenstadtkonzepts der Stadt Wertheim. Zeit, es einmal einer Überprüfung zu unterziehen und einen Blick auf die aktuelle Situation zu werfen. Das tat der Gemeinderat ausführlich in seiner Sitzung am Montag. Gerhard Beck von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mit Sitz in Ludwigsburg stellte zusammenfassend fest, dass Wertheim sich, auch im Vergleich zu anderen Kommunen in der Region, insgesamt gut geschlagen habe. Die Stadträte, die sich in der Debatte zu Wort meldeten, wollten die positiven Aussagen des Gutachters aber nicht uneingeschränkt teilen.

„Wir haben uns gemeinsam auf die Fahne geschrieben, die wunderschöne Innenstadt attraktiv zu halten“, erinnerte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez zu Beginn an das Ziel aller Bemühungen. „Unsere Innenstadt belebt sich nicht von alleine, sondern braucht das Handeln vieler Akteure“. Das erste Innenstadtkonzept stammt aus dem Jahr 2004, letztmals war es 2014/15 fortgeschrieben worden. „Wertheim hat damals Maßnahmen eingeleitet, die andere Städte erst heute angehen“, lobte Gerhard Beck. Im April vergangenen Jahres hatte die Stadt die GMA damit beauftragt, den Stand der Zielerreichung unter die Lupe zu nehmen. Die Corona-Pandemie und deren mögliche Auswirkungen spielten dabei allerdings noch keine wesentliche Rolle, was sich auch in manchen Aussagen widerspiegelte.

Gerhard Beck definierte die Wertheimer Innenstadt „ein Ganzes aus drei Teilen“, nämlich der Altstadt rechts und links der Tauber und der „Innenstadterweiterung“ am Bahngelände. Dieser Gesamtheit bescheinigte die GMA eine gute Entwicklung. „Die Wertheimer Innenstadt ist bunt“, stellte Beck fest und verwies auf einen stark ausgeprägten Nutzungsmix. Einem leichten Rückzug des Einzelhandels stehe eine Zunahme von Dienstleistung gegenüber. Die Gastronomie habe eine stabile Entwicklung genommen, während die Wohnfunktion der Innenstadt deutlich aufgewertet wurde. „Hier ist Wertheim Vorreiter in der Region.“

Der stark ausgeprägte Nutzungsmix ist eine Stärke der Wertheimer Innenstadt. Darstellung: GMA

In der Detailbetrachtung hat sich der Strukturwandel des Einzelhandels und dessen zunehmend sinkende Bedeutung vor allem in der Altstadt links und rechts der Tauber fortgesetzt. Neben der weiter wachsenden Konkurrenz durch das Internet machte Wirtschaftsförderer Jürgen Strahlheim dafür den zunehmenden Flächenbedarf für Einzelhandelsgeschäfte verantwortlich. Eine Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern und mehr sei in der Altstadt nicht zu realisieren. Das Bahngelände als Innenstadterweiterungsfläche hat dagegen an Bedeutung gewonnen.

In der Altstadt, vor allem rechts der Tauber, siedelten sich in den vergangenen Jahren dagegen mehr Dienstleistungsbetriebe an. Zumindest was die Zahl der Lokale angeht, konstatierte Beck im Bereich der Gastronomie eine stabile Entwicklung. Schließlich konnte er auch „keine gravierende Leerstandsproblematik“ erkennen. Die Zahl der Leerstände sei niedriger als 2014, vor allem seien diese rechts der Tauber und hier in den Nebenlagen vorhanden. Das wird sich nach Becks Aussagen auch nicht mehr gravierend ändern. „Wohnen in der Innenstadt wird wieder interessant“, benannte der Gutachter eine deutlich positive Veränderung im Vergleich zum Zeitpunkt der Aufstellung der Innenstadtkonzeption.

Als Zukunftsaufgabe sah es Gerhard Beck an, die drei Bereiche der Innenstadt stärker zu verknüpfen. Er empfahl der Stadt, eine Verbindung der Bereiche rechts der Tauber und Bahngelände durch Fußgängerbrücken über die Tauber und über die Bahngleise in Angriff zu nehmen. Damit könnten für die Innenstadt wichtige Koppelungs- und Synergieeffekte erreicht werden.

Nach der ausführlichen Darstellung durch die GMA sprach Oberbürgermeister Herrera Torrez von einer insgesamt „sehr guten Entwicklung“. Es brauche den „Blick von außen“, denn „manchmal geißeln wir uns ein bisschen selbst“. Was sich dann auch umgehend in einigen Wortmeldungen bestätigte, in denen die Aussagen der GMA als „zu optimistisch“ kritisiert wurden. Insbesondere galt dies für die Einschätzung der Leerstandsproblematik und der Bewältigung des Strukturwandels im Einzelhandel.

Mit großer Mehrheit lehnte der Gemeinderat einen Antrag ab, dass die Verwaltung innerhalb eines Jahres Varianten und Kostenschätzungen für eine Tauberüberquerung vorlegen solle. Der OB hatte darauf hingewiesen, dass eine mögliche Anbindung des Bahngeländes ab 2022 auf der Agenda stehe. Und vor einer Überarbeitung des Innenstadtkonzepts sollen zunächst die noch nicht abschätzbaren Folgen der Corona-Pandemie, aber auch die Fortschreibung des Regionalplans Heilbronn-Franken im Bereich Einzelhandel abgewartet werden.

Präsentation der GMA zum Innenstadtkonzept (4,2 MB)

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