Ukrainerin Viktoriia macht Praktikum bei der Stadt

Von November bis April im Gebäudemanagement

Viktoriia Holovakova absolviert ein sechsmonatiges Praktikum bei der Stadtverwaltung. Foto: Stadt Wertheim

Viktoriia Holovakova ist eine von derzeit etwa 355 Menschen aus der Ukraine, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen sind und in Wertheim Aufnahme gefunden haben. Im November hat die junge Frau ein Praktikum bei der Stadtverwaltung begonnen, und auch für ihre Zukunft hat sie bereits Pläne.

Am 6. März, knapp zwei Wochen nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, ist Viktoriia Holovakova in Wertheim angekommen. Die 35-jährige lebte in Schytomyr, 140 Kilometer westlich von Kiew. Zuflucht fand sie bei einem früheren Schulfreund, der bereits seit vielen Jahren mit seiner Familie in der Großen Kreisstadt lebt.

Mittlerweile hat Viktoriia Holovakova eine eigene Wohnung in Bestenheid und fühlt sich in Wertheim angekommen. „Ich treffe jeden Tag Menschen, die Verständnis für meine Situation haben“, zeigt sie sich dankbar.

Das größte Problem für Geflüchtete aus der Ukraine sei die Sprachbarriere. Um ihren Landsleuten die Ankunft zu erleichtern, hat sie sich deshalb als Übersetzerin angeboten. Mit diesem Vorhaben ging sie selbstbewusst auf Wertheims Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez zu. Dieser besuchte Ende April einen Gottesdienst der russisch-orthodoxen Gemeinde und kam dabei auch mit den anwesenden Ukrainerinnen ins Gespräch. Über die sozialen Medien kontaktierte Viktoriia das Stadtoberhaupt und nach nur wenigen Tagen stellte der OB den Kontakt mit Natalja Kiefel vom Eigenbetrieb Gebäudemanagement her.

Viktoriia hat in der Ukraine studiert und einen Master in den Fächern Rechtswissenschaften und Public Administration gemacht. Vor ihrer Flucht war sie als Beamtin im Bereich Liegenschaften tätig. „Wir wollten sie auch bei uns gerne in diesem Bereich einsetzen, aber vor März nächsten Jahres wäre das auf Grund anderer Praktikumszusagen nicht möglich gewesen“, erläutert Natalja Kiefel.

Im November konnte Viktoriia schließlich ihr Praktikum im Eigenbetrieb Gebäudemanagement aufnehmen. Nach einer vierwöchigen „Probezeit“ wurde das Praktikum auf insgesamt sechs Monate verlängert. Dass sich der Start etwas verschoben hat, lag unter anderem daran, dass Viktoriia den Integrationskurs an der Volkshochschule Wertheim ihren neuen Arbeitszeiten anpassen musste. „Das hat ein bisschen gedauert, aber jetzt kann ich beides machen“, freut sie sich.

Neben ihrem Einsatz im Eigenbetrieb Gebäudemanagement, unterstützt die Kollegin aus der Ukraine auch das Referat „Integration, Migration“ mit Übersetzungen in Ukrainisch, Russisch und Englisch. Dank der VHS-Sprachkurse sind Viktoriias Deutschkenntnisse inzwischen sehr fundiert. „Vor ein paar Tagen habe ich einen Flyer von Deutsch auf Ukrainisch übersetzt, um über richtiges Lüften gegen Schimmelbildung zu informieren“, sagt sie stolz.

Die gleiche Initiative, die sie für einen Praktikumsplatz bei der Stadtverwaltung gezeigt hat, legt Viktoriia auch für die Zeit danach an den Tag. Aktuell wartet sie auf die Anerkennung ihrer akademischen und beruflichen Qualifikationen. Aber auch einer beruflichen Neuorientierung gegenüber ist die Ukrainerin offen und „würde in Deutschland gerne eine Ausbildung machen oder studieren“.

Ob Viktoriia nach Kriegsende wieder zurück in ihre Heimat möchte, kann sie heute noch nicht mit Sicherheit sagen. Die junge Frau fühlt sich in Wertheim wohl, hat soziale Kontakte und auch ein neues Hobby: „Eine Arbeitskollegin hat mir ihren Faschingsverein gezeigt und mich mitgenommen zum Tanzen“. Sie ist dankbar für die Offenheit, die ihr und ihren Landsleuten von den Wertheimerinnen und Wertheimern entgegengebracht wird. „Ich spüre das jeden Tag“.

Ansprechpartner

Stadtverwaltung Wertheim
Telefon 09342 / 301-0
Telefax 09342 / 301-500
E-Mail-Kontakt