Stadtteilzentrum Wartberg-Reinhardshof

Die neue soziale Mitte

Stadt und Kirche werden das bestehende Kirchenzentrum Wartberg gemeinsam sanieren und die Nutzung neu strukturieren. In der Kombination mit Schule, Kindergarten und Familienzentrum entsteht so die neue soziale Mitte des Wertheimer Stadtteils. Das ausgeklügelte Wegesystem wird stufenlos erschlossen, sodass ein Zugang zu allen Gebäudekomplexen ungehindert möglich ist. Dem Gemeinderat stellte die Verwaltung im Oktober 2017 erste Überlegungen zur Überplanung des Wartberg-Zentrums vor. Diese wurden seitdem weiterentwickelt und in regelmäßigen Gesprächsrunden mit den Vertretern beider Kirchen, der beteiligten Einrichtungen und des Stadtteilbeirats abgestimmt.

Generalsanierung der Otfried-Preußler-Schule

Foto: Stadt Wertheim

Die Verwaltung wurde mit Beschluss des Gemeinderates am 30. Mai 2016 beauftragt, eine zweizügige Grundschule mit Ganztagesbereich und Mensa am Standort Wartberg zu planen. Aufgrund der vorhandenen räumlichen und bautechnischen Gebäudesubstanz wird eine Generalsanierung durchgeführt und eine bauliche Erweiterung vorgenommen.

Die heutige Otfried-Preußler-Grundschule in Wertheim entstand mit der Neuplanung des Stadtteils Wartberg im Rahmen des damaligen Bundes-Demonstrativbauvorhabens „Wertheim-Wartberg“. Geplant wurde die Schule als zweizügige Grundschule durch Architekt Prof. G.G. Dittrich aus Nürnberg. Sie wurde nach zweijähriger Bauzeit 1972 fertiggestellt. Die Grundschule gliedert sich in einen teils ein-, teils zweigeschossigen Hauptbaukörper mit Unterrichtsräumen, Verwaltung und Hausmeisterwohnung, daran angrenzend die Schulsporthalle mit Umkleiden. Der Baukörper passt sich der vorhandenen Hanglage an. Die Haupterschließung erfolgt sowohl über den Frankenplatz als auch über den Salon-de-Provence-Ring.

Gebäudebeschreibung und baulicher Zustand

Besonderheiten Baukonstruktion:
Die Haupttragstruktur des Schulbereiches besteht aus Stahlbetonrahmen und Stahlbetonwänden mit Strukturschalung. Statisch untergeordnet dient das Blendmauerwerk in einigen Bereichen als Dekor. Die Decken sind als Stahlbetonrippen- oder massivdecken ausgebildet mit Aussparungen für Oberlichter.

Brandschutz:
Die brandschutztechnische Einstufung der vorhandenen Bausubstanz, vor allem der tragenden Stahlbetonbauteile und Rippendecken macht eine Sanierung ohne große zusätzliche Ertüchtigungen wirtschaftlich sinnvoll. Ersatzmaßnahmen für Brandfrüherkennung, bzw. Rauchableitung und die Schaffung der notwendigen baulichen Fluchtwege sind allerdings unumgänglich.

Energetische Schwachstellen:
Es liegen hohe Wärmeverluste bei der Außenhülle, sowie der Verglasung der Außen- und Oberlichtfenster sowie Eingangstüren vor.

Haustechnik:
Die Heizungs- und Sanitäranlagen, sowie die elektrischen Anlagen in der Schule sind veraltet. Die Deckenstrahlplatten in der Turnhalle wurden bereits erneuert und bleiben erhalten.

Barrierefreiheit:
Durch die terrassenförmige Lage am Hang ist das Gebäude momentan nicht stufenlos zu erreichen. Das stellt auch bei der Anlieferung von Gütern ein erhebliches Problem dar. Im Gebäude ist es ebenfalls dringend notwendig, die verschiedenen Ebenen stufenlos zu verbinden. Diese Verbindung wird durch den Einbau einer Aufzugsanlage nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern auch für den Hausmeister und die Reinigungskräfte geschaffen.

Unzureichender Flächenbedarf:
Im Lehrer- und Verwaltungsbereich sind die Flächen nicht für die Anforderungen eines Ganztagesunterrichts ausgelegt und müssen erhöht werden. Eine Essensversorgung ist im bestehenden Schulgebäude mit Mensa und Küche nicht möglich. Ebenso werden aktive und ruhige Flächen für die Ganztagesbetreuung benötigt. Diese Flächen müssen gesondert, außerhalb des bestehenden Gebäudes geschaffen werden.

Neuplanung

Planungskonzeption:
Die vorliegende Planung richtet sich nach dem Raumprogramm der Schulbauförderrichtlinien Baden-Württemberg mit den derzeitigen Vorgaben für Grundschulen. Ergänzend gibt es nach den pädagogischen Erfordernissen Bereiche für die Ganztagesbetreuung, Medienbildung und Kursräume für Werken und Kochen. Das geplante Raumprogramm führt nutzungsgleiche Bereiche zusammen.

Geplantes Raumprogramm:
Der allgemeine Unterrichtsbereich umfasst im Unter- und Erdgeschoss je vier Klassenräume mit den entsprechend erforderlichen Kursräumen. Der Verwaltungsbereich befindet sich zur besseren Orientierung für Besucher mit Büros und Sekretariat in der Nähe des Haupteingangs an zentraler Stelle. Individuelles und ungestörtes Arbeiten findet im Untergeschoss in den zu Schulzwecken umgenutzten Räumen der ehemaligen Hausmeisterwohnung statt.

Bauliche Maßnahmen

Allgemein:
Der Altbestand, d.h. das Schulgebäude mit Hausmeisterwohnung wird im Zuge der Komplettmodernisierung weitestgehend auf die statisch relevante Baukonstruktion (tragende und aussteifende Bauteile) zurückgebaut, wobei die ursprüngliche Ausstrahlung der Architektur beibehalten werden soll. Die angrenzende Sporthalle ist bereits teilsaniert und wird entsprechend ergänzend modernisiert.
Die Zugänglichkeit zum Schulgebäude und zum Erweiterungsbau wird mit der Neugestaltung der Außenanlage stufenlos hergestellt.

Sanierungs- und Umbaumaßnahmen:
Das Schulgebäude wird den heutigen schulischen und pädagogischen Anforderungen entsprechend umgestaltet. Die räumliche Struktur des Bestandsgebäudes wird so verändert, dass Verkehrsflächen als Spielflure genutzt werden können, Sonderräume und Klassenzimmer ablesbar sind und ein moderner Lehrer- und Verwaltungsbereich entstehen kann.

Um einen Flächengewinn für den Verwaltungs- und Lehrerbereich zu erzielen, werden im Erdgeschoss Verkehrsflächen umgeplant und die ehemalige Hausmeisterwohnung im Untergeschoss umgebaut.
Das bestehende offene Haupttreppenhaus wird zu einer barrierefreien, vertikalen Erschließung mit Aufzugsanlage umgebaut. Gleichfalls ist die neue Treppenanlage Teil des Flucht- und Rettungswegekonzeptes und wird mit Rauchschutztüren von den angrenzenden Verkehrswegen abgetrennt. Die Klassenzimmerebene im Erdgeschoss benötigt zudem einen zweiten baulichen Rettungsweg, der hier über eine zusätzliche Außentreppe realisiert wird.

Im Allgemeinen wird ein Sichtbezug zwischen den einzelnen Ebenen unter Beibehaltung der natürlichen Lichtverhältnisse hergestellt. Dadurch wird Kommunikation und die Aufenthaltsqualität verbessert. Die natürlich vorhandenen Zusatzbeleuchtungen in Form von Oberlichtern sind aufgrund der Gebäudetiefe weiterhin notwendig. Sie werden modernisiert, um den Einsatz von künstlicher Zusatzbeleuchtung zu reduzieren. Sonnenschutz besonders bei nach Süden orientierten Fensterflächen wird ebenfalls benötigt. Die Gebäudehülle wird entsprechend den geforderten Vorschriften an der Außenseite gedämmt und mit einer vorgehängten Fassade verkleidet.

Technische Ausstattung:
Wesentliche Eingriffe bei der Gestaltung der Innenräume entstehen durch die neuen technischen Anforderungen an den Schulhausbau, wie z.B. eine geregelte Belüftung der Klassenzimmer (Eingriff in die Fassade), Beleuchtungsszenarien für flexible Nutzung und der Einsatz moderner Medien im Unterricht. Die Zimmer werden mit dezentralen Lüftungsgeräten für den modernen Medienunterricht ausgestattet. Die Struktur der Leitungen / Kanäle bleibt erhalten bzw. wird ergänzt und/oder teilweise erneuert, die Medienführung wird saniert. Die Toilettenanlagen werden auf die notwendige Anzahl reduziert und um ein barrierefreies WC erweitert.

Erweiterungsmaßnahmen:
Neben der Sanierung des Schulgebäudes werden zusätzliche Flächen für den Ganztagesbetrieb benötigt. Diese werden in einem separaten Erweiterungsbau mit Küche und Mensa und Ganztagesflächen dargestellt.

Übersicht Sanierungsmaßnahmen:
- energetische Sanierung der Gebäudehülle inkl. Fenster und Sonnenschutz
- Sanierung Dach
- Brandschutzmaßnahmen
- Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung
- Erneuerung der abgehängten Decken und Verbesserung der Akustik
- Erneuerung der Bodenbeläge
- Maßnahmen zur Barrierefreiheit

Neubau einer Mensa im Stadtteilzentrum

Illustration der neuen Mensa im Wartberg-Zentrum

Auf Grundlage eines neuen Ganztageskonzepts für die Otfried-Preußler-Schule entstand die Notwendigkeit eines Ganztagesbereichs mit Mittagsverpflegung. Der Rückgang der kirchlichen Nutzung des Kirchenzentrums, die dort nicht voll ausgenutzten Räume und die Überlegung, das Areal zwischen den Bildungseinrichtungen stufenfrei zu erschließen, ließ den Standort für ein neues Mensagebäude auf dem freien städtischen Grundstück zwischen Schule und dem künftigen Gemeinschaftszentrum entstehen. Durch diese Überlegungen hat sich das Mensagebäude als Bindeglied, als Mittelpunkt, etabliert. Das eingeschossige Gebäude mit Tiefparterre als Lager, Technik und Personalräume ist sowohl unten als auch oben stufenfrei erschlossen.

Von der Schule aus ist der Eingang der Mensa ohne Stufen zu erreichen. Die kleine Platzsituation vor der Mensa ist einerseits Teil der Erschließung und gleichzeitig Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität. Ein kleiner Dachvorsprung und ein Windfang schützen den Speiseraum vor direktem Wetter und Zugluft. Der Raum öffnet sich zum Hang hin trichterförmig und lässt diesen dadurch offen und frei wirken. Der unverbaute Ausblick lädt zum Verweilen und Entspannen ein.

In der Mensa sollen circa 60 Kinder Platz finden. Der Raum kann auch außerhalb des Schulbetriebs (z.B. an Wochenenden und in den Ferien) für andere Nutzungen dienen. Ein ausreichend tiefer Dachvorsprung sorgt für die Verschattung. Die Haustechnik wird auf das nötigste reduziert, um wie bei den elektrischen Verbrauchern mit einem geringen Energieaufwand auszukommen. Die Küche ist als Ausgabeküche konzipiert. Im Erdgeschoss sind Toiletten vorgesehen.

Umbau des Kirchenzentrums zu einem Gemeinschaftszentrum

Foto: Stadt Wertheim

Der Kauf- und Sanierungsvertrag, dem der Gemeinderat zugestimmt hat, hat folgende Eckpunkte: Die Stadt erwirbt Teileigentum am Kirchenzentrum. Die Federführung über die Sanierung übernimmt die Stadt. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes teilen sich Stadt und kirchliche Träger. Die finanziellen Belastungen für das Vorzeigeprojekt sind so geschultert, dass sie jeder der beteiligten Akteure tragen kann.

Das ökumenische Kirchenzentrum Wartberg wurde im Jahr 1976 erbaut. Ziel und Zweck dieses Gebäudes war es, die Ökumene im Stadtteil Wartberg (einem Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre umgesetzten Bundesdemonstrativvorhaben mit Hochhäusern und Bungalows) zu stärken.
Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden hatten in diesem Gebäude jeweils ihren eigenen Kirchenraum mit den dazugehörigen Nebenräumen und Nutzungseinheiten.

Um das gemeinsame Miteinander und die Ökumene zu stärken, wurde in dem Baukörper ein großes Foyer eingerichtet. Darin können sich die Mitglieder der Kirchengemeinden treffen und austauschen. Dieser Gedanke hat in den Anfangs- und Folgejahren auch sehr gut funktioniert und wurde von den Kirchenmitgliedern umgesetzt. Im Laufe der Jahre haben auch die beiden Kirchengemeinden mit rückläufigen Kirchenbesuchern zu tun. Auf Grund dessen wurden Überlegungen angestellt, wie mit dem großen Gebäudekomplex umgegangen werden sollte.

Die Sanierung der nebenan befindlichen Otfried-Preußler-Schule mit der Errichtung eines neuen Mensagebäudes bietet nun eine ausgezeichnete Möglichkeit, in den Räumen des Kirchenzentrums die noch notwendigen Flächen für die Ganztagesschule (mit Frühförderung, sozialer Gruppenarbeit und Sprachförderung) und für eine zusätzliche Kindergartengruppe für die in unmittelbarer Nachbarschaft bestehende kirchliche Kindertagesstätte Wartberg einzurichten. Die zusätzliche Kindergartengruppe wird im Bereich des bisherigen Erweiterungssaals der katholischen Kirche untergebracht. Der derzeitige evangelische Kirchenraum wird weiterhin als Kirchenraum dienen und für beide Konfessionen – evangelisch und katholisch – auf Kosten der Kirche umgestaltet werden.

Ziel ist es, durch die Einbauten und die Neunutzung, die Architektur und Gedanken des Kirchenzentrums weiterhin zu unterstützen und Rechnung zu tragen. Dies soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass die tragende Architektur des Gebäudes weiterhin ablesbar bleibt. Die einzelnen Nutzungseinheiten sollen jeweils einen eigenen offenen und freundlichen Raumeindruck erhalten. Es wird auch Wert darauf gelegt, dass die Funktion des großen Foyers weiterhin als Treffpunkt und Kommunikationsbereich zwischen den einzelnen Nutzern erhalten bleibt.

Ansprechpartner

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