Lockdowns wirken bei Kindern und Jugendlichen nach

Thema im Arbeitskreis Sucht- und Gewaltprävention

Die Nachwehen der Corona-Lockdowns sind bei Kindern und Jugendlichen noch spürbar. Foto: Stadt Wertheim / Shutterstock

Die Corona-Pandemie mag aus den Köpfen vieler Erwachsener inzwischen zwar fast verschwunden zu sein. Bei Kindern und Jugendlichen aber sind die Nachwehen immer noch stark spürbar. „Das Thema wird uns noch lange beschäftigen“, waren sich die Expertinnen und Experten einig, die das Thema bei der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Sucht- und Gewaltprävention unter dem Vorsitz von Bürgermeister Wolfgang Stein diskutierten.

Lange Lockdowns, der Wegfall von Präsenzunterricht in den Schulen, aber auch der Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen, haben zu vielfältigen Problemen geführt. So sei etwa die soziale Interaktion unter Kindern und Jugendlichen stark beeinträchtigt, berichtete Markus Landeck, Leiter des Wertheimer Jugendhauses. Konflikte würden nicht mehr einvernehmlich geklärt, sondern eskalierten schnell bis hin zur Ausübung körperlicher Gewalt. „Die Hemmschwelle ist gravierend gesunken. Die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen, wurde im Lockdown ein Stück weit verlernt“, stellten die Fachleute im Arbeitskreis fest.

Zunehmend würden auch psychische Probleme wie Depressionen und Angstzustände sichtbar. Manche Kinder und Jugendliche fühlten sich von der „Rückkehr ins normale Leben“, zu der auch der Schulbesuch gehöre, schlichtweg überfordert. Es bedürfe dringend entsprechend ausgebildetes Personal, forderte Susanne Deivel, Schulsozialarbeiterin an der Comenius Realschule. „Es kann nicht sein, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wartezeiten von bis zu einem Jahr bestehen. Das ist viel zu lang“, kritisierte sie.

Elisabeth Thies, stellvertretende Leiterin der Gemeinschaftsschule sprach an, dass Kinder und Jugendliche, in deren Familien zu Hause kein Deutsch gesprochen werde, nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht erhebliche Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache aufwiesen. „Die Lehrkräfte mussten da praktisch wieder bei Null anfangen“, so die Pädagogin.

Über die Sucht- und Gewaltprävention an Wertheimer Schulen informierte Susanne Deivel den Arbeitskreis. Nach ihren Aussagen hat jede Schule ihr eigenes Präventionsprogramm, das von den Schulsozialarbeitern unterstützt und begleitet werde. Deivel beleuchtete die Bereiche Medien-, Gewalt- und Suchtprävention und erläuterte die Maßnahmen, die jeweils ergriffen werden, um Schülerinnen und Schüler zu informieren und zu sensibilisieren.

Schwerpunkte der anschließenden Diskussion waren die Themen „Rauchen“ und „Mobbing“. Nicht nur Katrin Amrhein, Rektorin der Comenius Realschule, hat festgestellt, dass wieder mehr Schülerinnen und Schüler rauchen und dass immer früher zum Glimmstängel gegriffen wird. Diese Beobachtung bestätigte Markus Landeck. Bereits Zehnjährige sehe man mit der Zigarette, bei den Zwölfjährigen rauchten fast 90 Prozent. Als eine Ursache machte Landeck einen gewissen „Gruppendruck“ aus. Der Wille zum Aufhören sei zwar vorhanden, doch solange in der Clique Rauchen als „in“ und „cool“ angesehen werde, setze man den Vorsatz nicht in die Tat um.

In Sachen „Mobbing“ machten die Fachleute einen starken Anstieg nach der Pandemie aus. Kinder und Jugendliche würden nicht nur aus den Klassen ausgegrenzt, es komme auch sehr häufig zum „Cybermobbing“. „Am Schlimmsten ist es oft in den Klassenchats auf der Plattform `WhatsApp`“, so Schulsozialarbeiterin Deivel. Zwar würden viele Fälle gemeldet und wenn nötig auch die Polizei eingeschaltet. Angesichts einer hohen Dunkelziffer stießen aber sowohl Lehrkräfte als auch Schulsozialarbeiter an ihre Grenzen. 

Sowohl die Vertreterinnen der Schulen als auch Erster Polizeihauptkommissar Matthias Jeßberger, Leiter des örtlichen Polizeireviers, wiesen das Gerücht zurück, an sämtlichen Schulen der Stadt seien alle Arten von Drogen im Umlauf. Das sei zwar häufig zu hören, es entbehre aber jeder Grundlage.

Der städtische Kinder- und Jugendbeauftragte Uwe Schlör-Kempf, der auch diese 28. Gesprächsrunde wieder vorbereitet hatte, würdigte den „beeindruckenden Bericht über die Präventionsarbeit an den Schulen“. Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter stünden stärker denn je vor großen Herausforderungen. Schlör-Kempf sagte die weitere Unterstützung der Stadt bei der Umsetzung von Projekten zur Sucht- und Gewaltprävention zu. Die große Bedeutung der Schulsozialarbeiter betonte abschließend Stadträtin Anna-Lena Szabo. Deren Fachexpertise sei aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken und werde dort dringend benötigt.

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