Kompromiss des „Runden Tisches“ trägt Früchte

Lebensraum für Fauna und Flora im Gewerbegebiet

Stadtverwaltung und Nabu arbeiten bei Naturschutzmaßnahmen im Gewerbegebiet Reinhardshof eng zusammen. Foto: Stadt Wertheim

Der vor zwei Jahren am „Runden Tisch“ erreichte Kompromiss zur weiteren Entwicklung des Gewerbegebietes Reinhardshof trägt Früchte. Das wurde am Montag in der Sitzung des Ausschusses für Bauwesen und Umwelt deutlich. Das Gremium empfahl dem Gemeinderat, den Bebauungsplan für den 6. Abschnitt als Satzung zu beschließen. Zuvor hatte Umweltbeauftragter Jens Rögener über die erfolgreiche Umsetzung naturschutzfachlicher Pflegemaßnahmen in weiteren Abschnitten berichtet und dafür viel Lob erhalten.

Er sei „hoch zufrieden“ und „überzeugt, dass wir schon jetzt etwas sehr Gutes erreicht haben“, sagte Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez. Man müsse sich vergegenwärtigen, welche großen und auf beiden Seiten mit viel Schärfe geführten Auseinandersetzungen es um die Entwicklung des Reinhardshofs gegeben habe. Am „Runden Tisch“ hätten Politik, Verwaltung und Naturschutzverbände schließlich konkrete Vereinbarungen getroffen, die die Belange des Naturschutzes ebenso berücksichtigen wie den Bedarf an wirtschaftlicher Entwicklung.

Der damalige Kompromiss besagt, dass die Abschnitte neun und elf komplett dem Naturschutz gewidmet werden, während die Bauleitplanung für die Abschnitte acht und zehn nicht weiterverfolgt und die Flächen so gepflegt werden, dass es zu keiner Verschlechterung des ökologischen Zustandes kommt. Aus der Konfrontation sei durch die Entscheidungen „ein erfreuliches, gedeihliches Miteinander der Stadtverwaltung mit den Ortsgruppen des Nabu und des Bund Wertheim geworden“, freute sich der Oberbürgermeister.

Rund 800 Schafe weiden im Winterhalbjahr auf den Flächen des Gewerbegebiets Reinhardshof. Foto: Stadt Wertheim

Einige der insgesamt 21 definierten Pflegemaßnahmen für die 28 Hektar der Abschnitte acht bis elf stellte Jens Rögener dem Ausschuss beispielhaft vor. Die Beweidung der Fläche durch rund 800 Schafe nannte der Umweltbeauftragte „das Rückgrat der Pflege“. Zu den Maßnahmen gehört auch die Anlage von Biotopen, die etwa durch die Gelbbauchunke oder die Zauneidechse genutzt werden. Um die Tierwelt nicht zu stören erfolgt die Umsetzung der Maßnahmen durch den städtischen Bauhof ausschließlich im Winterhalbjahr. Rögener hob bei dieser Gelegenheit die gute Zusammenarbeit mit dem Nabu und dem örtlichen Jagdpächter hervor.

Durchweg positiv fällt auch das Ergebnis der jährlichen Erfolgskontrolle im 2019 als Kompensationsfläche angelegten so genannten „Grünen L“ aus. „Die Habitate haben sich sehr gut entwickelt“, betonte der Umweltbeauftragte. Nachweislich haben hier wieder Arten einen Lebensraum gefunden, die bedroht oder gefährdet sind. Dazu zählen etwa Grauammer und Schwarzkehlchen, Feldhasen und der Große Feuerfalter.

„Das eine geht mit dem anderen einher“, schlug Oberbürgermeister Herrera Torrez den Bogen von der Ökologie zur Ökonomie. Folgt der Gemeinderat der Empfehlung des Bauausschusses und beschließt den Bebauungsplan für den sechsten Abschnitt des Industriegebiets (GI) Reinhardshof als Satzung, dann stehen auf der Fläche bald 13 Hektar für die Ansiedlung von Unternehmen zur Verfügung.

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