Glasmuseum zeigt einzigartige Handwerkskunst

Flechtwerke aus Kristall von Anton Friedrich

Er fertigt Werke von einzigartiger Handwerkskunst: Glasschleifermeister Anton Friedrich .Foto: Glasmuseum / Anton Friedrich

In einer kleinen Kabinettausstellung zeigt das Glasmuseum Wertheim noch bis 15. März elf Glasnetzbecher des Glasschleifermeisters Anton Friedrich (geboren 1942) aus Elz/Limburg. Es sind geschliffene Meisterwerke von einzigartiger Handwerkskunst.

Anton Friedrich, der an der Glasfachschule in Hadamar seine Ausbildung zum Glasschleifer und später zum Glasschleifermeister machte, stellte bis 2002 für verschiedene Firmen in seiner Werkstatt Trinkgläser aus mundgeblasenem und handgeschliffenem Bleikristall her. Die Begeisterung für geschliffene Glasnetzbecher begann 1999, als er die geschliffenen Diatretgläser von Josef Welzel (1927 bis 2014, Fachlehrer für Gravur/Hadamar) in dessen Werkstatt sah. Welzel stellte Repliken antiker Luxusgläser her, unter anderem für das Glasmuseum Wertheim. Erst 16 Jahre später erfüllte sich Anton Friedrich seinen Traum – nämlich mit Leidenschaft Diatretgläser in unterschiedlichen Formen, Größen und Netzdekoren zu schleifen. Seine Glasnetzbecher fertigt er nach eigenen Vorstellungen und Ideen, nicht nach den römischen Vorbildern. In monatelanger Arbeit schleift er aus etwa fünf Kilogramm schweren mundgeblasenen Rohlingen zerbrechliche Netzgläser von höchster Kunstfertigkeit.

Vasenobjekt aus Diatretglas von Anton Friedrich. Foto: Glasmuseum / Anton Friedrich

Glasnetzbecher oder „Diatreta“ (von griechisch diatretos „durchbrochen, durchbohrt“) sind römische Luxusgläser aus dem 1. bis 4. Jahrhundert. Bis heute sind etwa 50 Diatretgläser bekannt (viele nur noch als Scherben). Sie befinden sich unter anderem im Römisch-Germanischen Museum in Köln, im Rheinischen Landesmuseum in Trier, im Britischen Museum in London und im Corning Museum of Glass in den USA. Seit der Auffindung des ersten Diatretglases im 17. Jahrhundert in Italien rätseln die Wissenschaftler über die Herstellungsweise dieser zerbrechlichen Luxusgläser.
 
Das Glasmuseum Wertheim nimmt die Ausstellung mit Anton Friedrichs elf „Flechtwerken aus Kristall“ zum Anlass, auf die bis heute kontrovers diskutierte Herstellungsweise und Funktion (Trinkgefäß oder Lampe) aufmerksam zu machen: Sind die Diatretgläser aus einem dickwandigen geblasenen Rohling geschliffen („Schleiftheorie“)? Oder wurde ein zweischaliger Rohling durch Pressen der heißen Glasmasse in einen perforierten Zwischenbecher aus Gips hergestellt und anschließend geschliffen („Presstheorie“)? Anton Friedrich ist sich sicher, dass solche feingliedrigen Netzgläser mit den damals zur Verfügung stehenden Schleifwerkzeugen nicht gefertigt werden konnten – mit den heutigen Diamantwerkzeugen jedoch schon! Davon zeugen seine von höchster Kunstfertigkeit geschliffenen „Flechtwerke aus Kristall“.

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