Ein kurzweiliger Abend über Lieblingsbücher

Buchempfehlungen aus persönlicher Leseerfahrung

Leseempfehlungen aus persönlicher Sicht gab es beim Abend „Unsere Lieblingsbücher“ in der Stadtbücherei. Foto: Stadtbücherei Wertheim

Am Ende des Abends waren es 19 den Zuhörern ans Herz gelegte Empfehlungen und nur ein Roman, der dieses Etikett offenbar nicht verdiente. Hatte er seine Leserin während der Lektüre doch immer wieder irritiert und schließlich ratlos zurückgelassen. Stadtbücherei, Frauenverein und Buchhandlung Buchheim hatten zu ihrem mittlerweile traditionellen Lieblingsbuch-Abend eingeladen. Dabei werden Bücher vorgestellt, die man im Laufe des Jahres entdeckt hat und denen man – unabhängig von Literaturpreisen oder Bestsellerlisten – einen großen Leserkreis wünscht.

Dass dieses Mal viele Buchpreisträger empfohlen wurden, war Zufall. Denn jede einzelne der elf präsentierenden Leserinnen zog ganz andere Argumente ins Feld. So zeigte sich Büchereileiterin Michaela Stock beispielsweise bei Nina LaCours Roman „Alles okay“ davon beeindruckt, dass die Autorin mit großer Ruhe erzähle, die sich automatisch auf den Leser übertrage. Einen typischen, spannend erzählten Martin Suter-Roman, der sich „absolut würdig in die lange Liste seiner tollen Bücher“ einreihe, stellte Stefanie Boelk vor und empfahl „Elefant“ als großen Lesespaß für Männer wie Frauen.

„Regelrecht verliebt“ hatte sich Constanze Schwab in ein Buch von Multimediakünstler André Heller. Sie verschenke „Uhren gibt es nicht mehr“ seit einigen Jahren an Freunde und Verwandte. Und ausnahmslos alle seien begeistert von den im Laufe eines Winters geführten Gesprächen zwischen Heller und seiner Mutter. „Die Liebe selbst“ käme bei Nina Georges neuem Roman zu Wort und wer zudem noch schöne Dialoge über Bücher und das Lesen an sich möge, dem empfahl Trudi Graf „Südlichter“. Traurig sei sie gewesen, gestand hernach Uschi Wehner, als der Roman „Abendrot“ von Kent Haruf zu Ende gewesen sei. Ihr habe das Buch so sehr gefallen, dass sie danach alle seine bisher auf Deutsch erschienenen Bücher verschlungen habe. Und alle seien phantastisch und jede Zeile wert.

Elf Leserinnen präsentierten beim Literaturabend in der Stadtbücherei ihre Lieblingsbücher. Foto: Stadtbücherei Wertheim

Was Kent Haruf für Uschi Wehner ist, ist Ian McEwan für Heike Gröger: einer ihrer absoluten Lieblingsschriftsteller. Sie stellte das Buch „Maschinen wie ich“ vor und endete mit dem Tipp: „Unbedingt lesen!“. Ganz anders erging es Gaby Hügel mit Jackie Thomaes für den deutschen Buchpreis nominierten Roman „Brüder“. Sie konnte dem „erzählten Durcheinander“ zum Teil kaum mehr folgen und blieb am Ende mit der Frage zurück, was ihr die Autorin wohl sagen wolle. Kurzerhand bat sie die Zuhörer, falls sich jemand für die Lektüre des Buchs erwärme, ihr unbedingt die Leseeindrücke zu schildern.

Nach kurzer Pause folgte das Publikum Heide Fahrenkrog-Keller, der Vorsitzenden des Frauenvereins, gedanklich ins Bauhaus. Das „Bauhaus“ sei im Jubiläumsjahr natürlich ein großes öffentliches Thema, aber momentan auch eines für den Frauenverein, wie die aktuelle Kunstausstellung im Rathaus zeige. Ihre Buchempfehlung war dann auch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger, das ihr als großem Bauhaus-Fan richtig gut gefallen habe. Durchweg alle Bücher von Aylet Gundar-Goshen empfahl Gerlinde Ernst. Diese Schriftstellerin sei noch relativ unbekannt, ihre Bücher seien aber „sagenhaft gut“ und müssten „unbedingt zu den Menschen gelangen“. Ob „Eine Nacht, Markowitz“, „Löwen wecken“ oder „Lügnerin“, man könne nicht mehr mit dem Lesen aufhören.

„Spannend bis zur letzten Seite“, so fasste Manuela Faulhaber ihre Lektüre von Margret Atwoods „Die Zeuginnen“ zusammen. Atwood sei vielen Lesern durch ihren 1985 erschienenen und während Trumps Präsidentschaft erneut populär gewordenen „Report der Magd“ bekannt, der mehr als achtzig Wochen lang auf der New York-Times-Bestsellerliste stand. Auch die Fortsetzung, „Die Zeuginnen“, seiabsolut lesenswert.

Mit dem diesjährigen Träger des Deutschen Buchpreises, Saša Stanišic, endete der kurzweilige Abend. Andrea Schwitt-Graf von der Buchhandlung Buchheim erklärte seinen preisgekrönten Roman „Herkunft“ auf jeden Fall zu einem ihrer Lieblingsbücher. Stanišic erzähle sanft, führe behutsam durch die oftmals dramatische Geschichte und schreibe in einer phantastischen Sprache, die man durchgehend genießen könne.

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