Die Musikschule hat zu, der Unterricht geht weiter

Lehrer und Schüler nutzen jetzt Online-Technik

Die Musikschule hat auf Online-Unterricht umgestellt, hier Fedra Blido beim Klavierunterricht. Foto: Stadt Wertheim

Auch wenn die Städtische Musikschule wegen der Corona-Pandemie seit dem 17. März geschlossen ist – Unterricht findet trotzdem statt. Nach Ankündigung der Schließung „war für die große Mehrzahl unserer Lehrerinnen und Lehrer schnell klar, dass sie ihren Schülern online oder, wenn das nicht möglich ist, am Telefon beziehungsweise per E-Mail, zu Seite stehen wollen“, informiert Stefan Blido, der gemeinsam mit seiner Frau Fedra die Einrichtung leitet. „Die meisten Schüler und ihre Eltern haben das Angebot sehr dankbar angenommen.“

Besonders hoch, so Blido, sei der Anteil des Online-Unterrichts im Gesangs- und Instrumentalbereich. „Hier berichten die Kolleginnen und Kollegen überwiegend Positives, auch wenn das für manche von ihnen die ersten Erfahrungen mit diesem Thema sind.“ In Vorgesprächen mit den Eltern wurden zunächst technische Voraussetzungen und Möglichkeiten abgesprochen und Termine vereinbart. Hörproben werden verschickt, anhand derer die Schüler ein Stück auswählen können. Anschließend gehen Fingersätze, rhythmische und dynamische Notizen digital „auf die Reise“, so dass die Schüler selbständig Vorarbeiten leisten können. „Online-Unterricht ist anstrengender und bedarf einer noch sorgfältigeren Vor- und Nachbereitung“, betont der Musikschulleiter. „Bei guten Voraussetzungen bietet er aber auch echte Chancen.“

Und er schafft ungewöhnliche Situationen. „Teilweise findet der Musikunterricht am Vormittag statt, was üblicherweise sonst kaum der Fall ist. Die Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler ist da besonders groß“, berichtet Stefan Blido. „Manche von ihnen üben jetzt deutlich mehr und freuen sich über die Beschäftigungsmöglichkeit zu Hause“, hat er beobachtet. Bei vielen Schülerinnen und Schülern seien die Musikpädagogen die einzigen Lehrer, die sie derzeit zu Gesicht bekommen. Ein weiterer positiver Aspekt laut Blido: „Der Kontakt zu den Eltern gestaltet sich in einigen Fällen deutlich besser.“

Schwieriger als beim Gesangs- und Instrumentalunterricht ist es, die Schüler im Bereich der Elementaren Musikpädagogik zu erreichen, räumt Stefan Blido ein. „Aber auch hier gibt es positive Ansätze.“ Stundenmodelle, bestehend aus Video- und Audio-Dateien, Arbeitsblättern und Spielanleitungen für die Eltern werden per E-Mail verschickt. Mit den fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Musikgartengruppe wurde Unterricht per Skype erteilt. „Eine andere Eltern-Kind-Gruppe erhält jeden Tag ein Video mit Materialien“, berichtet Blido. Nach anfänglicher Skepsis bei einigen Teilnehmern überwiegt inzwischen die Begeisterung darüber, „dass es funktionieren kann“.

Die andersartigen Unterrichtsformen zwinge alle Beteiligten zu großer Aufmerksamkeit und Konzentration auf das Wesentliche. Das methodisch-didaktische Repertoire der Lehrkräfte werde in der besonderen Situation in hohem Maße gefordert. „Doch aus all dem ergeben sich auch positive Impulse für den weiteren Unterricht.“ So ist der Musikschulleiter überzeugt, „dass auch künftig zum Beispiel kleine Video- und Tonaufnahmen hin- und hergeschickt werden, welche die Unterrichtsinhalte vertiefend ergänzen“.

Aber auch wenn die meisten Schülerinnen und Schüler den Online-Unterricht durchaus cool fänden und die Lehrkräfte dankbar seien über die Möglichkeiten der Technik, die ihnen eine Fortsetzung ihrer Arbeit und den Kontakt zu den Schülern ermöglichten – nicht alles ist über das Internet machbar: „die Arbeit an klanglichen und musikalischen Feinheiten, die Korrektur der körperlichen Disposition, diffizile Veränderungen in der Haltung des Instruments beispielsweise sind nur im persönlichen Kontakt wahrnehm- und veränderbar“ zählt Blido auf. „Deshalb hoffen wir alle dann doch auf eine baldige Rückkehr zum normalen Musikschulleben.“

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