So ist die Situation in den Partnerstädten

Corona-Pandemie hält ganz Europa in Atem

Auch Wertheims Partnerstädte haben mit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen zu kämpfen. Foto: Stadt Wertheim

Es ist erst wenige Wochen her, da saßen die Vertreterinnen und Vertreter der Partnerstädte beim Arbeitsgespräch in Wertheim zusammen und schmiedeten Pläne für das gerade begonnene Jahr. Doch diese sind inzwischen fast alle Makulatur. Wie Wertheim sind auch alle Partnerstädte von der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen betroffen, berichtet Klaus von Lindern, Vorstandsmitglied der Internationalen Partnerschaftsvereinigung (IPW). Er hat Informationen aus Salon-de-Provence, Huntingdon und Godmanchester, Szentendre und Gubbio zusammengetragen. Per E-Mail, WhatsApp oder auch telefonisch halten er und seine Mitstreiter von der IPW Kontakt zu den Freunden in Frankreich, Großbritannien, Ungarn und Italien.


Gubbio

„Überall sind die Straßen leer“, zitiert von Lindern in seinem Überblick Laura Zampagli, seit vielen Jahren eine der wichtigsten Ansprechpartnerinnen in der italienischen Partnerstadt Gubbio. Jeder, der nicht zur Arbeit müsse, dürfe nur wegen absoluter Notwendigkeiten ausgehen. Sie selbst sei seit Wochen nicht mehr in der Stadtmitte gewesen, so Zampagli. Große Sorgen bereiteten ihr sowohl die Zahl der in Gubbio mit dem Corona-Virus Infizierten, die am ersten April-Wochenende mit 66 angegeben wurde, als auch die wirtschaftliche Entwicklung. Der für die italienische Partnerstadt so wichtige Tourismus sei zum Erliegen gekommen. „Alle Veranstaltungen zu Ostern und sogar die berühmte ‚Festa die Ceri‘ werden dieses Jahr nicht stattfinden“, bedauert Laura Zampagli.


Huntingdon und Godmanchester

Schon seit geraumer Zeit steht fest, dass der eigentlich für Juni geplante Besuch der Ukuleleband aus Huntingdon und Godmanchester abgesagt und gegebenenfalls auf 2021 verschoben werden muss. Gesine Devere, im englischen Partnerschaftsverein für die Sektion Wertheim zuständig, sieht auch das für Oktober an Main und Tauber vorgesehene internationale Jugendportturnier in Gefahr. „Wir werden uns wohl oder übel alle darauf einstellen müssen, dass unser Alltag sich drastisch ändern wird“, schrieb Gesine Devere schon Mitte März.
 
Wie das in Huntingdon und Godmanchester aussieht, berichteten David und Gwen King an Klaus von Lindern. Man erledige nur noch die wichtigsten Einkäufe, halte sozialen Abstand soweit das an den Kassen möglich sei. Seinen Humor hat das Ehepaar aber nicht verloren. „Wir sind vorerst einigermaßen gut bestückt und verfügen über einen angemessenen Vorrat an Gin, Whisky und Wein, um abends – virtuell – mit unseren Freunden in den Partnerstädten anzustoßen“, wird David King zitiert. Jüngsten Informationen zufolge hat es Stand 1. April im überregionalen Hinchinbrooke Hospital bislang sechs Tote gegeben, rund 220 Menschen waren in der Grafschaft Cambridgeshire mit dem Corona-Virus infiziert.


Salon-de-Provence

Mauricette Rousell, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins in Salon-de-Provence, und Lili Sadoski, die Witwe des ehemaligen Stadtrats dort, Charles Sadoski, sprachen in einem Telefonat mit der Vorsitzenden der IPW, Lucy Weber, von 64 Corona-Opfern, die es im Großraum der französischen Partnerstadt bereits gegeben haben solle. Die beiden Frauen berichteten auch von den Einschränkungen des persönlichen Lebens durch das strikte Ausgangsverbot mit wenigen Ausnahmen und die bei Verstößen drohenden Bußgelder. Nach einer Information, die der Wertheimer Stadtrat Thomas Wettengel von Michel Roux erhielt, gab es in Salon-de-Provence selbst bislang drei Tote und etwa 450 Infizierte.


Szentendre

Auch in der ungarischen Partnerstadt Szentendre ist das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen. Das berichten sowohl der frühere Bürgermeister Péter Kállay und Jolanda Willemse vom Partnerschaftsverein, als auch Imre Helyes, der im Rat der Stadt für die internationalen Beziehungen zuständig ist. „Nach offiziellen Angaben wurde in Szentendre bisher kein einziger Fall einer Corona-Virus-Infektion registriert“, schreibt er. Schulen, Kindergärten, Kindertagesstätten und Spielplätze seien geschlossen, den Menschen werde empfohlen zu Hause zu bleiben und soweit wie möglich voneinander Abstand zu halten. Im wirtschaftlichen Bereich sei das Schicksal vieler lokaler Unternehmen infolge des fast zum Erliegen gekommenen Tourismus „bereits ernsthaft geprägt“.

Klaus von Lindern wertete die mit den Informationen übermittelten guten Wünsche aus den Partnerstädten als „Zeichen der Verbundenheit auch in schwierigen Zeiten“. Für alle sei klar, „wir bleiben in Kontakt, wir stehen zusammen“.