Kita-Notbetreuung: leer, aber nicht langweilig

Einblicke in die Arbeit des Kinderhauses

Erzieherin Stephanie Jörke spielt mit dem dreijährigen Leo. Foto: Stadt Wertheim

Rund um die Spielplatzrutsche flattern Absperrbänder im Wind. Kochtöpfe liegen verwaist im Sandkasten. Die Flure sind bis auf ein paar Wäscheständer leer, Stühle sind aufeinandergetürmt und zusammengeräumt. Das Kinderhaus Reinhardshof erscheint in diesem Moment eher wie ein Geisterhaus. Nur im Zimmer der „blauen Gruppe“ hockt der kleine Leo auf dem Teppichboden und spielt mit einem Piratenschiff.

Neben dem Dreijährigen sitzt Erzieherin Stephanie Jörke. Wo sonst in den Räumen der Kita Platz für 144 Mädchen und Jungen wäre, ist Leo heute das einzige Kind. „Den Trubel nicht um sich zu haben, ist ungewohnt“, sagt die Erzieherin. Eine Handvoll Jungen und Mädchen sind im Kinderhaus für die Notfallbetreuung angemeldet, die für die Zeit der Kita-Schließung ab Mitte März eingerichtet wurde. An neun Standorten über ganz Wertheim verteilt wurden bisher die Kinder betreut, deren Eltern in systemrelevanten Bereichen arbeiten und deshalb am Arbeitsplatz gebraucht werden. Nach der jüngsten Entscheidung des Landes, dass die Kindergärten weiter geschlossen bleiben, wird die Notfallbetreuung fortgeführt werden. Sie soll zudem für weitere Berufs- und Bedarfsgruppen geöffnet werden.
 
Kinderhausleiterin Ramona Straßer und ihr Team wissen die Schließzeit zu nutzen. Die 26 Erziehungsfachkräfte arbeiten schichtweise. Zwei sind immer im Kinderhaus, die anderen arbeiten zu Hause. Die Zeit sei eine gute Gelegenheit, um Unterlagen zu sortieren, sich fachlich fortzubilden und Elterngespräche vorzubereiten. Ergebnisse werden dem Team weitergegeben. Stephanie Jörke findet das gut. „Wir frischen unser Wissen wieder auf“, sagt sie.

Die Zeit der Notbetreuung nutzen die Erzieherinnen zur Weiterbildung, aber auch zum gründlichen Aufräumen. Foto: Stadt Wertheim

Aufgefrischt sieht es auch im Kinderhaus aus. Ob Lotti Karotti oder das 64-teilige Benjamin-Blümchen-Puzzle, die Erzieherinnen haben die einige Regalmeter umfassende Spielesammlung gründlich durchforstet. Jetzt liegt alles wieder gut sortiert im Schrank. Und Stoffkrokodil und Co. warten im Körbchen scheinbar nur darauf, wieder freigelassen zu werden. „Jede Ecke ist rausgewischt. So sauber war es hier wohl noch nie,“ sagt Ramona Straßer und lacht.
 
Wenn das Kinderhaus sich wieder füllt, müssten sich vor allem die Ein- bis Dreijährigen wohl nochmals richtig eingewöhnen. Gleichzeitig kommen auch neue Krippenkinder an. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt die Kita-Leiterin. Auf den Start des Normalbetriebs bereite man sich gemeinsam gründlich vor. Leo fiebert diesem Tag jedenfalls schon entgegen. Dann kann er endlich wieder mit seiner besten Freundin umhertoben. Auf die Frage, was die beiden am liebsten spielen, muss Leo kurz überlegen. Dann antwortet er: „Geisterhöhle“.

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