Sprachförderoffensive bringt nachhaltigen Erfolg

Abschluss einer Fortbildungsreihe mit Modellcharakter

Osterbrunch in der Kita Höhefeld: Bei gemeinsamen Aktivitäten verbessern Kinder ihre Sprachfähigkeit. Foto: Kita Höhefeld

Sprachförderung ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit in den Wertheimer Kindertageseinrichtungen. Die dazu 2012 gestartete Qualitätsoffensive wurde mit einer Schulungsreihe im Zeitraum 2016 bis 2018 fortgesetzt. wurde. 170 Erzieherinnen aus allen 23 Kindergärten haben sich in 22 Fortbildungsveranstaltungen fit gemacht in der Sprachförderung. In einem Pressegespräch im Rathaus zogen die Verantwortlichen nun ein sehr positives Resümee. Bürgermeister Wolfgang Stein betonte den Modellcharakter des trägerübergreifenden Projekts. „Was in der Region einmalig sein dürfte, ist für uns ein selbstverständlicher Baustein im familienfreundlichen Gesamtkonzept.“ Und für den Kooperationspartner Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn (aim) lobte Geschäftsführerin Tatjana Linke den Wertheimer Ansatz als „ambitioniert, anstrengend, aber auch nachhaltigen Erfolg versprechend.“

Bei der Stadtverwaltung lag die Federführung beim zuständigen Abteilungsleiter Uwe Schlör-Kempf. Er nahm am Pressegespräch ebenso teil wie aim-Bereichsleiterin Dr. Eva-Carolina Doll. Erfahrungen aus der Praxis schilderten die pädagogischen Fachkräfte Nadja-Esther Martin (Kinderhaus Reinhardshof) und Nicole Segner (Evangelische Kita Höhefeld).

Von der Theorie zur Praxis

Ein Resümee zur Qualitätsoffensive Sprachförderung zogen (von links): Nadja-Esther Martin, Nicole Segner, Bürgermeister Wolfgang Stein, Tatjana Linke und Dr. Eva-Carolina Doll von der aim. Foto: Stadt Wertheim

Die Fortbildungsveranstaltungen fanden jeweils als Inhouse-Seminare in Wertheim statt. Die Reihe war in drei Kursblöcke gegliedert. Im Basismodul mit sieben Terminen ging es um Grundlagen und Selbstkompetenz der pädagogischen Fachkräfte in Krippe und Kita. Wissen rund um Sprache und Sprachentwicklung war Inhalt des zweiten Kursblocks mit 13 Veranstaltungen. Und im dritten Teil der Qualifizierung vermittelten die Dozenten der aim in fünf Kursterminen alltagspraktische und alltagsintegrierte Möglichkeiten der Sprachförderung.

Die Kosten der Fortbildungsreihe von rund 15.200 Euro hat die Stadt Wertheim finanziert. „Die Erzieherinnen haben ihre Fortbildungsbereitschaft und sehr viel Idealismus beigesteuert“, merkte Bürgermeister Stein lobend an. Der aim dankte er für die fachliche Beratung und kompetente Begleitung während des langen Prozesses. „Das war eine sehr gute Partnerschaft.“ Das Ergebnis der breit und flächendeckend angelegten Qualitätsoffensive überzeugt: Die 171 Erzieherinnen aller Wertheimer Kindertagesstätten haben die Kompetenz erworben, Sprachförderung für rund 900 Kinder im Alter zwischen ein und sechs Jahren kindgerecht und auf hohem qualitativem Niveau zu leisten.

Zudem verfügt nun jeder Kindergarten in Wertheim über mindestens eine kompetente Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Sprachbildung, Sprachentwicklung und Sprachförderung für Kinder aller Altersspannen. So ist gewährleistet, dass auch neu hinzukommende Kolleginnen mitgenommen werden und das Sprachförderkonzept auf einheitlichem Niveau fortgeführt wird.

Schlüssel zur Integration

Beim Vulkanexperiment in der Kita Höhefeld werden die Kinder aktiv zum Sprechen bewegt. Foto: Kita Höhefeld

Sprachkompetenz ermöglicht Kindern die Teilnahme an sämtlichen Bildungsprozessen und am gesellschaftlichen Leben. Das gilt nicht nur, aber besonders für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist: Im Durchschnitt hat knapp die Hälfte der Kinder in den Wertheimer Kitas Migrationshintergrund. Für diese Kinder ist eine gute Sprachkompetenz auch der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration.

Das veranschaulichte mit einem Praxisbericht Erzieherin Nadja-Esther Martin vom Kinderhaus Reinhardshof. In dieser städtischen Einrichtung liegt der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund bei über 80 Prozent. Sprachkenntnisse werden daher schon bei der Anmeldung im Kinderhaus abgefragt. „So ist ein Bedarf sofort erkennbar und ein direkter Einstieg in die Sprachförderung möglich“, erklärte Nadja-Esther Martin. „Wir versuchen die Eltern direkt mit ins Boot zu holen. Sie sind ein wichtiger Baustein zur Entwicklung der Sprache der Kinder“. Eltern seien enorm wichtig bei der Sprachförderung, denn die Arbeit im Kindergarten könne immer nur eine Ergänzung zur familiären Förderung der Sprachkompetenz sein.

Kinder werden individuell gefördert

Auch in Einrichtungen mit einem geringen Anteil an Kindern aus nichtdeutschen Familien ist Sprachförderung wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit. Denn allgemein beobachten Erzieherinnen, dass die Spracherziehung zuhause immer mehr durch digitale Medien ersetzt wird. „Unsere Sprachförderung findet alltagsintegriert statt“, erläuterte am Beispiel der evangelischen Kindertagesstätte Erzieherin Nicole Segner. „Alle Erzieherinnen sind mit eingebunden, um im Freispiel, beim Essen und bei verschiedenen Angeboten die Sprachfähigkeit der Kinder individuell und bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.“

Im Namen aller Erzieherinnen dankte Nicole Segner für die Möglichkeit der Weiterbildung. Die Fortbildungsreihe sei von den Erzieherinnen sehr positiv aufgenommen worden. Dass sie allen Kolleginnen offen stand, habe auch den Vorteil, dass man sich einrichtungsübergreifend austauschen kann. „Danke an die Stadt Wertheim für diese tolle Initiative!“

(created on 14. June 2018)

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