Attraktiver für Ärzte-Nachwuchs werden

Stadt nimmt hausärztliche Versorgung in den Blick

Wertheimer Allgemeinmediziner diskutierten über die Sicherung der hausärztlichen Versorgung. Foto: Stadt Wertheim

Händeringend suchen Hausärzte bundesweit nach Nachfolgern für ihre Praxen. Eine Suche, die auch in Wertheim langfristig schwieriger wird. Die Stadt reagiert auf diese Entwicklung: 14 Allgemeinmedizinerinnen und –mediziner haben sich kürzlich zu einer Gesprächsrunde mit Bürgermeister Wolfgang Stein und Dezernent Armin Dattler getroffen. „Wir wollen miteinander Lösungsstrategien entwickeln“, erklärte Stein im Sitzungssaal des Rathauses.

Die Ärzte diskutierten in dem von der Stadt angestoßenen Treffen, wie die hausärztliche Versorgung in Wertheim in Zukunft gesichert werden könnte. „Wir werden nicht die Non-plus-ultra-Lösung finden“, stellte zwar Stein zunächst fest. Jedoch wolle die Stadt in der Rolle des Moderators und Ideengebers die Hausärzte aktiv unterstützen, betonte er. Als Experten seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) nahmen Steffen Witte, Leiter des Geschäftsbereichs Zulassung/Sicherstellung, sowie Ilka Latuske, Gruppenleiterin in der Niederlassungsberatung, an der Runde teil. Sie stellten die aktuelle Situation dar und informierten über mögliche zukünftige Versorgungskonzepte.

Mit einem Versorgungsgrad von rund 132 Prozent gilt Wertheim aktuell als überversorgt. Zum Vergleich: Die Große Kreisstadt Bad Mergentheim hat einen Versorgungsgrad von 97 Prozent. „Auf dem Papier sieht das zwar toll aus“, erläuterte Bürgermeister Stein. Der Eindruck täuscht allerdings, wenn man die Gegebenheiten vor Ort kennt. Denn: Rund die Hälfte der Hausärzte in Wertheim sei über 60 Jahre alt, betonte Steffen Witte von der KVBW. Nicht alle Arztsitze könnten voraussichtlich nachbesetzt werden. Für die zukünftige Bedarfsplanung seien deshalb Engpässe zu erwarten.

Weiterbildungsmöglichkeiten stärken

Auf dieses absehbare und komplexe Problem nachhaltig einzuwirken, so wurde in der Diskussion deutlich, ist eine anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten. Dabei stoßen die Mediziner auch auf bürokratische Hürden bei der Nachfolgersuche. So ist es etwa den baden-württembergischen Hausärzten aufgrund von landesrechtlichen Bestimmungen nicht möglich, Ausschreibungen im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zu veröffentlichen. Dadurch gerate Wertheim aus dem Blick von potentiell Interessierten, die in der nahen bayerischen Nachbarschaft leben, wie eine Ärztin in der Gesprächsrunde deutlich machte.

Ein Ziel des Treffens war es, Lösungsstrategien zu dem Thema zu entwickeln, wie Bürgermeister Stein erklärte. Foto: Stadt Wertheim

Absolut notwendig sei es, so der Tenor der Runde, jungen Ärzten die Scheu vor dem Landleben zu nehmen und ihnen die vielen lebenswerten Seiten Wertheims nahe zu bringen. Zum Beispiel könnte die Stadt in einschlägigen Ärzteportalen und Fachmedien für den Standort Wertheim werben. „Die Metropolen können nicht mehr das halten, was sie versprechen“, stellte Stadtplaner Armin Dattler fest. „Wir haben hier keinen Nachteil“, lautet die Botschaft, die unter dem medizinischen Nachwuchs Verbreitung finden soll.

Unmittelbar unterstützen könnte die Kommune bei Vorhaben, medizinische Versorgungszentren oder Praxisgemeinschaften zu gründen. Sei es, indem sie geeignete Räume zur Verfügung stellt oder moderierend eine Fusion von Praxen begleitet. Die möglichen Kooperationsmodelle erfordern darüber hinaus kreative Antworten auf die Frage nach der Erreichbarkeit. „Ein Arzt sollte seine Arbeitszeit möglichst nicht auf der Straße, sondern am Patienten verbringen“, sagte Steffen Witte. Die Stadt will sich mit diesem Themenkomplex verstärkt auseinandersetzen: So soll modellhaft simuliert werden, wie in dieser Weise eine verlässliche ärztliche Versorgung in Wertheim aussehen könnte.

Insgesamt müssten die Rahmenbedingungen für Nachwuchsmediziner attraktiver werden, war sich die Runde schließlich einig. Dazu gehöre vor allem, die Weiterbildungsmöglichkeit für Nachwuchsmediziner zu stärken. Im Idealfall sollte diesen eine „nahtlose Weiterbildung“ ermöglicht werden, erklärte Witte. Empfehlenswert sei es, einen Weiterbildungsverbund zu schaffen. „Junge Ärzte suchen nach diesen Verbundstandorten“, betonte Ilka Latuske von der KVBW-Niederlassungsberatung. Eine besondere Rolle komme dabei der Wertheimer Rotkreuzklinik zu. Die Stadt will dazu mit deren Verantwortlichen und Hausärzten Gespräche führen, wie eine entsprechende Zusammenarbeit verbessert werden kann.

(created on 02. August 2018)

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