Wieder ein interessanter Blick hinter die Kulissen

City Dinner Tour erweist sich als Erfolgsformat

In der Goldschmiede von Juwelier Jan. Foto: Stadt Wertheim

Sie kamen, als die „normalen“ Kunden die Läden gerade verlassen hatten. Das ist ja eines der Erfolgsgeheimnisse der City Dinner Tour: Sie bietet Neugierigen nach Ladenschluss einen Blick hinter die Kulissen ausgewählter Geschäfte. Einzige Voraussetzung, daran teilhaben zu können ist, dass man sich rechtzeitig angemeldet hat. Das haben auch diesmal wieder 80 Interessierte getan. Sie wurden zum Auftakt im Grafschaftsmuseum von Bürgermeister Wolfgang Stein und Christof Geiger, Mitglied der Geschäftsleitung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken, begrüßt.

Beide dankten allen, die an der Organisation der Veranstaltung beteiligt waren. Neben der IHK und der Stadt war das maßgeblich auch der Stadtmarketingverein Wertheim. Bürgermeister Stein wünschte, die Teilnehmer sollten sich „informieren, beeindrucken, inspirieren und unterhalten lassen“ und überhaupt „einen schönen Abend genießen.“ Christof Geiger berichtete, dass es seit 2015 nun bereits 21 City Dinner Touren im Geschäftsbereich der IHK Heilbronn-Franken gegeben hat, bei denen mehr als 90 Betriebe sich über 1.500 Besuchern vorstellten.

Im Grafschaftsmuseum zeigte Museumsleiterin historische Kleiderschätze. Foto: Stadt Wertheim

Museumsleiterin Stefanie Arz informierte die Gäste über die Geschichte des Grafschaftsmuseums, das seine vielfältigen Sammlungen auf rund 2.200 Quadratmetern präsentiert. Während ein Teil der Besucher dann die letzte Gelegenheit nutzte, die „außergewöhnlichen Blickwinkel“ zu bestaunen, die Kurt Bauer in Bildern festgehalten hat, folgten andere der Museumsleiterin zum „Blick hinter die Kulissen“. Er bestand in diesem Fall aus Einblicken in imposante Schränke, in denen Kleidungsstücke aus längst vergangenen Zeiten aufbewahrt werden. Stefanie Arz führte die Interessierten aber auch in verschiedene Bereiche des Hauses, die gerade oder in Kürze umgestaltet werden und bot damit schon einmal einen Ausblick in die Zukunft des Grafschaftsmuseums.

In vier Gruppen aufgeteilt machten sich die Teilnehmer der City Dinner Tour schließlich auf den Weg zu den vier Stationen des Abends. Da war zum einen, gleich gegenüber dem Grafschaftsmuseum, das Spielwaren-Fachgeschäft „Knecht Rupprecht“. Das entstand, wie Christa Rupprecht erzählte, Anfang der neunziger Jahre zunächst im Keller des eigenen Wohnhauses in Neubrunn und entsprang einer Idee der eigenen vier Kinder. Die hätten eines Tages gemeint, man habe so viele Spielsachen, dass man glatt ein eigenes Geschäft eröffnen könne. Gesagt – getan.

Das Spielwarengeschäft Knecht Rupprecht war erste Station der City Dinner Tour. Foto: Stadt Wertheim

Von anfangs 25 Quadratmetern wuchs die Verkaufsfläche auf rund 180 Quadratmeter im Lauf der Jahre an. 2012 sei die Stadt Wertheim auf sie zugekommen, berichtete Christa Rupprecht. Nach anfänglichen Bedenken – „Hochwasser und das von uns hauptsächlich verkaufte Holzspielzeug, das passte nicht so gut“ – und nachdem man in der Rathausgasse Räume gefunden hatte, in denen keine „Überflutungsgefahr“ besteht, wurde in der Main-Tauber-Stadt ein neues Geschäft eröffnet.

„Heidis Wäschelädle“ in der Maingasse. Foto Stadt Wertheim

Ist „Knecht Rupprecht“ noch relativ neu in Wertheim, so gehört „Juwelier Jan“ zu den im wahrsten Wortsinn alteingesessenen. „Seit 196 Jahren sind wir hier am Marktplatz und immer im gleichen Haus“, verkündete Ursula Hartmann nicht ohne berechtigten Stolz. Wurde anfangs vor allem sakrales Gerät gefertigt, so ist das Produktportfolio heute wesentlich breiter aufgestellt. Es reicht vom Anfertigen und Umarbeiten von Schmuckstücken über das Reparieren von Uhren und dem Stechen von Ohrlöchern bis hin zu Gravuren oder dem Goldankauf. Besonders neugierig waren die Besucher natürlich auf die Goldschmiede, in die sie von Günter Hartmann geführt wurden. Das ist der Ort, wo sogar der Kehricht goldhaltig ist, so dass hier der Besen besonders sorgfältig geschwungen wird.

Seit zwei Jahren – und damit die Jüngste in der Runde der Betriebe, die sich vorstellten – ist „Heidi´s Wäschelädle“ in der Maingasse vertreten. Hier gibt es für die Damen Nacht- und Unterwäsche verschiedenster Marken, aber auch Bademäntel. „Ein BH sollte so sitzen wie ein Schuh, nicht zu groß und nicht zu klein“, erklärte die Inhaberin, warum jede Kundin sorgfältig und genau ausgemessen wird. Bei sogenannten „Mädelsabenden“ werden die einzelnen Marken und deren speziellen Vorzüge am Modell vorgeführt.

Einblicke in den Redaktionstalltag bei den Fränkischen Nachrichten. Foto: Stadt Wertheim

Auch die Fränkischen Nachrichten hatten ihre Türen für die City Dinner Tour geöffnet. Marketingleiter Michael Wünsch informierte unter anderem über den Strukturwandel in der Medienwelt. Regina Ditscheid und ihre Reisebüro-Kolleginnen zeigten den Buchungsvorgang für eine Traumreise. Und ein Stockwerk höher in den Räumen der Redaktion erläuterten Chefredakteur Dieter Schwab und Redaktionsleiter Fabian Greulich, wie jeden Tag eine aktuelle Zeitung zustande kommt.
 
Noch höher hinaus, nämlich zur Burg, ging es zum guten Schluss. Und mancher Teilnehmer dürfte sich vorgenommen haben, am 12. November bei der dann dritten City Dinner Tour wieder dabei zu sein.

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