Letzte Ruhestätte für Muslime

Stadt legt auf Waldfriedhof ein Grabfeld an

Auf dem Waldfriedhof Bestenheid legt die Stadt Wertheim ein Grabfeld für muslimische Bestattungen an. Foto: Stadt Wertheim

Auch Menschen muslimischen Glaubens sollen in Wertheim ihre letzte Ruhe finden können. Auf dem Waldfriedhof Bestenheid wird die Stadt Wertheim im nächsten Jahr ein muslimisches Grabfeld anlegen. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Wertheim ist damit die erste Stadt im Main-Tauber-Kreis, die Bestattungen nach muslimischem Ritus ermöglicht.

Wieviele Einwoher Wertheims dem Islam angehören, lässt sich nicht genau ermitteln. Schätzungen gehen von rund 650 aus. Dabei handelt es sich überwiegend um die Nachkommen ehemaliger türkischer Gastarbeiter. Diese Familien brachten in der Regel ihre Verstorbenen mit dem Flugzeug zurück in die Türkei, um sie dort zu bestatten. Für die Nachkommen in der zweiten und dritten Generation ist das nicht mehr selbstverständlich. „Viele Muslime sehen Wertheim als ihre Heimat an und möchten nach ihrem Tod hier bestattet werden,“ heißt es dazu in der Gemeinderatsvorlage. Alternative zur Rückführung in die Heimat war bisher die Bestattung in größeren Städten wie Würzburg.
 
Die Anlage eines muslimischen Grabfeldes auf dem Waldfriedhof hat die Stadtverwaltung mit den beiden christlichen Konfessionen abgestimmt und im Detail mit Vertretern des türkisch-islamischen Vereins besprochen. Denn der islamische Bestattungsritus hat einige Besonderheiten, die es zu berücksichtigen galt:
 
Nach dem muslimischen Glauben können Tote nur in Grabstellen gelegt werden, in denen vorher noch kein Verstorbener bestattet wurde. Die Stadt Wertheim wird deshalb auf dem Waldfriedhof ein bislang nicht in die Friedhofsnutzung einbezogenes Feld anlegen. Geplant sind 18 Gräber. Sie werden so ausgerichtet, dass der Verstorbene auf der rechten Seite liegend Mekka zugewandt ist. Bei muslimischen Bestattungen wird der Tote in einem Sarg zum Grab gebracht, dann aber ohne Sarg, in Leintücher gehüllt, ins Grab gelegt. Dies ist nach einer Änderung des Bestattungsgesetzes Baden-Württemberg im Jahr 2014 auch hierzulande möglich. Die religiöse Trauerfeier findet bei muslimischen Bestattungen weiterhin in der Moschee auf dem Reinhardshof statt.
 
Nach der grundsätzlichen Zustimmung des Gemeinderats wird die Verwaltung in den Haushalt 2018 rund 35.000 Euro zur Vorbereitung des muslimischen Grabfeldes einplanen.

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