Lange Freundschaft der Partnerstädte wurde gefeiert

Wertheimer kehren mit schönen Eindrücken aus Italien zurück

Blick über die Dächer der Stadt vom Palazzo dei Consoli aus. Foto: Stadt Wertheim / Nico Hildenbrand

Eine elfköpfige Delegation aus Wertheim reiste zur Feier der zehnjährigen Städtepartnerschaft nach Gubbio. 2006 sind Wertheim und Gubbio eine offizielle Städtepartnerschaft eingegangen. Das zehnjährige Bestehen dieser Verbindung wurde nun „nachträglich“ in der italienischen Partnerstadt gefeiert. Teilnehmer der Reise in die italienische Partnerstadt waren Mitglieder der Internationalen Partnerschaftsvereinigung Wertheim (IPW) mit ihrer Vorsitzenden Lucy Weber, Nico Hildenbrand als Geschäftsführer des Partnerschaftskomitees sowie zwei Schüler und ein Lehrer des Beruflichen Schulzentrums Wertheim. Geschäftsführer Hildenbrand schildert in einem Reisebericht die Eindrücke vor Ort.

Am Freitag, 27. Juli, startete die Reisegruppe um 15.30 Uhr am Spitzen Turm in Wertheim. Ab Würzburg ging die Reise mit Zwischenstopp in München über Nacht nach Arezzo, von wo aus die Gruppe mittels PKW nach Gubbio gebracht wurde.

Teil der Gruppe in den malerischen Gassen von Gubbio. Foto: Stadt Wertheim / Nico Hildenbrand

Nach der Aufteilung auf die Gastfamilien bzw. in die Hotelzimmer stand es den Reisenden frei, sich über Mittag von den Reisestrapazen zu erholen oder erste eigene Erkundungen in der mittelalterlichen Partnerstadt zu unternehmen. Am Nachmittag startete das offizielle Programm, das über das gesamte Wochenende abwechslungsreich und mit viel Liebe organisiert wurde.

Erster Höhepunkt war eine Führung durch den Palazzo Ducale, Herrscherhaus von Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino und einer der erfolgreichsten Condottieri der italienischen Renaissance. Nach einem Spaziergang durch den angrenzenden Park ließen die Besucher den Tag mit einem Abendessen in einer für Italien typischen Taverne ausklingen. Passend zum Thema Freundschaft, aber auch Versöhnung in schweren Zeiten, stellte Giacomo Marinelli Andreoli, Direktor des regionalen umbrischen Fernseh- und Radionetzwerks TRG, ein von ihm verfasstes Buch vor. Inhaltlich bezieht sich der Autor aus Gubbio dabei auf die Ermordung von 40 Eugubinern durch Mitglieder der deutschen Wehrmacht als Vergeltungsmaßnahme während des Zweiten Weltkriegs. Infolge der schrecklichen Ereignisse entstand durch Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einer Italienerin eine tiefe Freundschaft, welche auch symbolisch für die lange Freundschaft der beiden Partnerstädte steht. Hieraus entnahm der Autor die Quintessenz, dass auch aus schrecklichen Geschichten schöne entstehen können und Freundschaften ungeachtet der Historie bestehen können. Nach der Buchvorstellung und dem reichhaltigen Essen konnten sich die Bürger beider Städte bei interessanten Gesprächen austauschen, neue Freundschaften schließen und alte vertiefen.

Prof. Augusto Ancillotti (2. v.l., dunkler Anzug) mit der Reisegruppe auf dem Aqädukt über Gubbio. Foto: Stadt Wertheim / Nico Hildenbrand

Der Folgetag sollte gleich mit einem weiteren Höhepunkt starten. Das Programm hielt eine Wanderung auf dem Aquädukt durch die Schlucht Bottaccione Gorge bereit, geleitet von Professor Augusto Ancillotti und Mitgliedern des Italienischen Alpenvereins. Das Bauwerk sicherte der Siedlung im Tal damals die Wasserversorgung aus den Ausläufern der Apenninen. Nach der Beendigung von Sicherungsmaßnahmen ist das Aquädukt erst seit wenigen Monaten für Besucher zugänglich und somit die neueste Attraktion der Stadt. Der Sage nach landete durch einen Meteoriteneinschlag vor langer Zeit das sehr seltene Element Iridium in der Schlucht. Dadurch erlangten die Eugubini ihre nachgesagte Verrücktheit. Von den Bürgern Gubbios offiziell als verrückt erklärt zu werden, gilt als große Ehre, da man so als einer der ihren anerkannt wird.

Eine Fahrt mit einem Sight-Seeing-Bähnchen durch die Stadt mit gleichzeitiger Audio-Führung brachte den Gästen im Anschluss Hintergrundinformationen und Geschichtliches über die Stadt Gubbio und ihre Sehenswürdigkeiten bei schönstem Wetter näher.

Der Palazzo dei Consoli mit der Piazza Grande. Foto: Stadt Wertheim / Nico Hildenbrand

Der Lunch am Mittag wurde in beeindruckender Kulisse auf der Balkonerie des Palazzo dei Consoli angeboten. Anschließend durfte die Reisegruppe auf das Dach des Palastes und bis zum Glockenturm hinaufsteigen, von wo aus sie den Blick bei herrlicher Aussicht über die Dächer Gubbios schweifen lassen konnte.

Der offizielle Teil der Feierlichkeiten des Partnerschaftsjubiläums fand im Großen Saal des Rathauses statt. Nach einem Einspielfilm, der die Stadt Wertheim porträtierte und den Bürgern Gubbios einen kleinen Einblick in ihre Partnerstadt gab, wurden verschiedene kurze Festreden gehalten. So begrüßte Gubbios Bürgermeister Prof. Filippo Mario Stirati zunächst die Gäste. Lucy Weber richtete die Grußworte von Wertheims Oberbürgermeister Stefan Mikulicz aus und brachte in ihrer Position als Vorsitzende der IPW ebenso wie auch ihre Kollegin aus Gubbio allen Freunden der Partnerschaft ihre Freude über das Jubiläum zum Ausdruck.

Als besondere Anerkennung für ihr langjähriges Engagement wurde Lucy Weber das „Zertifikat der Verrücktheit“ in einer kleinen Zeremonie überreicht. Der Tradition folgend musste sie dabei zuerst mehrmals den Brunnen Fontana del Bargello umrunden, ehe sie mit dessen Wasser nassgespritzt und so getauft wurde. Abschließend wurde ihr feierlich die offizielle Urkunde überreicht.
Im Anschluss folgte der Besuch einer Bilderausstellung eines renommierten Fotografen im Großen Saal des Palazzo dei Consoli. Motiv des Künstlers waren beeindruckende Landschaftsbilder aus dem italienischen Nationalpark Monti Sibillini.

Den Abschluss des Tages machte ein Bankett auf einem Biobauernhof, von dessen idyllisch gelegenem Gelände die Besucher einen tollen Überblick über das Umland von Gubbio erhielten und bei romantischem Sonnenuntergang für einen Moment die Seele baumeln lassen konnten.

Die Besichtigung eines Weinguts inklusive Verköstigung der Erzeugnisse bei einer Weinprobe auf dem Weingut Scacciadiavoli inmitten der blühenden Landstriche Umbriens voller Olivenbäume und Weinreben stand bei hochsommerlichen Temperaturen am nächsten Tag auf dem Programm. Bevor es allerdings in die Weinberge ging, machte die Gruppe einen Zwischenstopp in der antiken Kleinstadt Bevagna sowie im Museo di San Francesco für mittelalterliche Fresken in Montefalco. Bevagna, eine von mittelalterlichen Mauern umgebene und romanisch geprägte Altstadt in der Provinz Perugia, gilt als eine der schönsten Orte Italiens. Davon konnten sich die Besucher bei der Besichtigung von Resten eines römischen Tempels und einer Thermenanlage mit historischen Mosaiken, den Kirchen San Michele und San Silvestro sowie der für ihre originelle asymmetrische städtebauliche Lösung berühmten Piazza F. Silvestri mit eigenen Augen überzeugen.

Der ereignisreiche und heiße Sommertag fand seinen Abschluss in einem stimmungsvollen Konzert inmitten des Innenhofs einer prächtigen Kirche in Gubbio. Ein Duo, bestehend aus brasilianischen Brüdern, lud mit perfekt aufeinander abgestimmten Kompositionen aus Klavier und Gitarre in historischem Ambiente zum Träumen ein.

Vollgepackt mit unzähligen neuen und schönen Eindrücken der Reise machte sich die Gruppe am nächsten Morgen wieder auf den langen Weg Richtung Wertheim.

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